Pferdeforscher im Dienste der Praktiker: 100 wissenshungrige Hörer verfolgten einen Tag lang die Akademie-Vorträge der hochkarätigen Referenten und die Podiumsdiskussionen. Foto: Julia-Steinhoff-Wagner Events / Neues aus der Pferdeforschung

von Dr. Michaela Weber-Hermann, Christine Felsinger, Dr. Julia Steinhoff-Wagner (Fotos)

Die erste GWP-Akademie „Das gesunde Pferd“ bei der EQUITANA in Essen und die angegliederte Jobbörse waren ein großer Erfolg: Rund 100 interessierte Besucher lauschten den Vorträgen auf Einladung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd – ein Auftakt nach Maß. Und, so die GWP-Vorstandsmitglieder um den Vorsitzenden Dr. Ludwig Christmann unisono, nach diesem gelungenen Debüt sei eine Fortsetzung im Rahmen der nächsten „Weltmesse des Pferdesports“ im Jahr 2021 geplant.

Auch die zahlreichen Vertreter von Firmen, die bei der Jobbörse im Foyer des Vortragssaals ihre Unternehmen und deren Stellenangebote präsentierten, waren begeistert. Vor allem Studenten belagerten ihre Stände, informierten sich und knüpften erste Kontakte. Studierende verschiedener Hochschulen, darunter eine große Abordnung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen, nutzten nicht nur das Vortragsangebot, sondern brachten sich auch aktiv als Helfer in die Organisation der Veranstaltung ein. Nicht zuletzt rundeten die Studierenden mit der Präsentation ihrer Poster zu ganz unterschiedlichen Fragestellungen aus der Praxis die Veranstaltung ab.

So klappt Laufstallhaltung ohne Stress

„Das gesunde Pferd“ war Thema der Seminarveranstaltung, das in zwei Blöcken aus zahlreichen Blickwinkeln beleuchtet wurde. Die „Laufstallhaltung“ war der erste thematische Schwerpunkt des Tages. Den Auftakt machte die Stellvertretende Vorsitzende der GWP, die Inhaberin des Lehrstuhls für Tierernährung der LMU München Professor Dr. Ellen Kienzle mit einem Referat zu Energieaufnahme und -bedarf. Ihr Fazit:

Auch im Laufstall muss bedarfsgerecht gefüttert werden

Welche Aspekte zu berücksichtigen sind und wie die von Pferden ausgesandten Alarmsignale zu deuten sind, damit die Haltung in der Gruppe tiergerecht ist, erläuterte Professor Dr. Margit Zeitler-Feicht von der Technischen Universität München. Zwei Kurzbeiträge aus Herstellersicht – Thorsten Hinrichs von der Firma HIT referierte über „Probleme und Lösungsansätze in der Laufstallhaltung“, Georg Fink, der Inhaber des Ingenieurbüros Fink Reitanlagen, über „Nutzungs- und Befestigungsmöglichkeiten von Ausläufen – und Wissenswertes aus der Praxis, dargelegt von Stallbetreiber Peter Pavel aus Calden, rundeten den ersten Themenblock ab, an den sich eine lebhafte Podiumsdiskussion unter reger Beteiligung der Zuhörer anschloss.

Warum gute Ausbildung Pferde gesund hält

Hochkarätige Referenten gestalteten auch den Nachmittag informativ und abwechslungsreich, als es um „Ausbildung, Gesundheit und Leistung“ ging. Zunächst stellte Michael Putz, GWP-Vorstandsmitglied und ehemaliger Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule, die Grundlagen der klassischen Dressurausbildung vor. Sein Fazit:

Pferde gemäß unserer Skala der Ausbildung klassisch auszubilden, ist der pferdefreundlichste Weg

Seine GWP-Vorstandskollegin Professor Dr. Uta König von Borstel, die sich seit Jahren gegen das „Rollkur-Reiten“ engagiert, beleuchtete den Einfluss der Kopf-Hals-Haltung auf Gymnastizierung und Wohlbefinden des Pferdes. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Fakten untermauerte die Verhaltensforscherin:

Hyperflexion beeinflusst das Tierwohl negativ

Fachtierärztin, Pferdewirtschaftsmeisterin und Olympiareiterin Dr. Annette Wyrwoll nahm sich des Themas „Einfluss der Ausbildungsmethoden auf die Gesundheit aus tierärztlicher Sicht“ an und schlug einen weiteren Bogen von der Wissenschaft zur reiterlichen Praxis.

Man reitet nicht auf den Röntgenbildern, man reitet auf dem Pferd

schrieb sie den Zuhörern ins Stammbuch und machte auch anhand zahlreicher Foto-Dokumente deutlich, dass bei korrekter Ausbildung und richtigem Training nicht jeder vermeintlich schwerwiegende Befund das sportliche Aus für ein Pferd bedeuten muss.

Praktische Tipps fürs tägliche Training leitete auch Stephanie Horstmann aus den von ihr und ihren Kollegen im Rahmen von Studien gewonnenen Werten ab. Die Tierärztin stellte das 2003 ins Leben gerufene Projekt „Leistungsdiagnostik Pferd“ des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei vor. Ein Fazit der zahlreichen, aus den erhobenen Daten gewonnenen Erkenntnisse: Nicht am Limit zu trainieren bringt den gewünschten Konditionsschub, ans Ziel führen vielmehr längere, leichtere Trainingsphasen mit Unterbrechungen. Auch im Anschluss an diesen Themenblock wurde interessiert nachgefragt und engagiert diskutiert.

Pferde-Jobbörse: Wie kommen Unternehmen und Nachwuchstalente zusammen?

Auch die der Akademie angegliederte Jobbörse fand ihre Erweiterung und ihren Abschluss im Rahmen einer Diskussionsrunde, zu der Professor Dirk Winter von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Hannes Müller, der Ausbildungsleiter der Deutschen Reitschule, Ina Gläßer als Vertreterin der German Horse Industry Consulting GmbH, Dr. Katharina Wiegand vom Hannoveraner Verband und Georg Ettwig als Repräsentant der Deutschen Reiterlichen Vereinigung auf dem Podium Platz genommen hatten. Ihre Darstellung der Ausbildungs-, Berufs- und Karrierechancen rund ums Pferd rundeten einen rundum gelungenen Akademie-Tag ab. Und wie gesagt: Fortsetzung folgt!

Vorträge der 1. GWP-Akademie „Das gesunde Pferd“, Equitana 2019

Bitte zum pdf-Download auf die Links klicken. Alle Vorträge sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Zustimmung der Autoren weiter verbreitet oder gewerblich genutzt werden!

„Laufstallhaltung und Fütterung“

Professor Dr. Ellen Kienzle
Lehrstuhlinhaberin für Tierernährung und Diätetik, LMU München, stv. GWP-Vorsitzende
Über- und Untergewicht: Auch im Laufstall muss die Energieaufnahme zum Energiebedarf passen
GWP_Akademie_2019_Ellen_Kienzle  (Copyright: Kienzle)

PD Dr. Margit Zeitler-Feicht
Leiterin der Abteilung Ethologie, Tierhaltung und Tierschutz am Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Wie gestalte ich meine Gruppenhaltung tiergerecht? Alarmsignale der Pferde erkennen
GWP_Akademie_2019_Margit_Zeitler_Feicht (Copyright: Zeitler-Feicht)

Thorsten Hinrichs,
Gründer der Firma HIT Aktivstall, GWP-Partner
Probleme in der Laufstallhaltung und Lösungsansätze
GWP_Akademie_2019_Thorsten_Hinrichs (Copyright: Hinrichs)

Georg Fink
Stallbau-Beratung
Nutzungs- und Befestigungsmöglichkeiten von Ausläufen in Hanglagen
GWP_Akademie_2019_Georg_Fink (Copyright: Fink)

Peter Pavel
FN-Reitstall Pavel in Calden-Fürstenwalde
Erfahrungen eines Stallbetreibers
GWP_Akademie_2019_Peter_Pavel (Copyright: Pavel)

„Ausbildung, Gesundheit und Leistung“

Michael Putz,
FN-Ausbilder und Richter, GWP-Vorstandsmitglied
Die Grundlagen der klassischen Dressurausbildung als Gesundheitsmanagement für das Reitpferd
GWP_Akademie_2019_Michael_Putz (Copyright: Putz)

Professor Dr. Uta König von Borstel
Leitung Tierhaltung und Haltungsbiologie, Justus-Liebig-Universität Gießen
Einfluss von Kopf-Hals-Haltung auf Gymnastizierung und Wohlbefinden des Pferdes
GWP_Akademie_2019_Uta_Koenig_von_Borstel (Copyright: König von Borstel)

Dr. Annette Wyrwoll
Tierärztin, Vielseitigkeitsreiterin und Züchterin
Einfluss der Ausbildungsmethode auf die Gesundheit aus tierärztlicher Sicht

Stephanie Horstmann
Tierärztin, Deutsches Olympiade-Komitee für Reiterei
Projekt „Leistungsdiagnostik Pferd“ des DOKR
GWP_Akademie_2019_Stephanie_Horstmann (Copyright: Horstmann)


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