Bewerbung GWP-Förderpreis 2021: Zwei Dissertationen zur Pferdeforschung GWP-Förderpreis 2021

Jedes Jahr zeichnet die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd GWP e.V. die jeweils drei besten Arbeiten in den Kategorien Bachelor, Master und Dissertationen mit den GWP-Förderpreisen aus – und honoriert damit die Arbeit der jungen Nachwuchsforscher zu Wissenschaftsthemen rund um das Pferd. Hier sind alphabetisch geordnet die Kurzzusammenfassungen der Bewerbungen um den GWP-Förderpreis 2021, Kategorie Dissertationen.

„Nicht-invasive Tierwohl-Beurteilung bei Pferden: die Nutzbarkeit der Lateralität“

Isabell Marr (Dissertation, Universität Hohenheim, Institut für Nutztierwissenschaften, Fachgebiet für Verhaltensphysiologie von Nutztieren)

Das Tierwohl rückt für Pferdebesitzer immer mehr in den Mittelpunkt. Insbesondere Fluchttiere wie Pferde können mit lediglich subtilen äußeren Anzeichen in Stille leiden. Daher sind Tierwohlindikatoren notwendig, die einfach in ihrer Bestimmung sind, wenig Zeit in ihrer Erhebung benötigen und wiederholt messbar sind, um die Bestimmung des Tierwohls in der Praxis zu verbessern und in der Wissenschaft zu vereinfachen. Deshalb war es das Ziel dieser Arbeit, die Lateralität (Dominanz der rechten/linken Körperseite) als potentiellen Tierwohlindikator zu untersuchen. Die sensorische und motorische Lateralität beschreibt die bevorzugte Verwendung rechter oder linker Sinnesorgane und Gliedmaßen und ist von der körperlichen Schiefe abzugrenzen.

Es zeigte sich, dass eine Erhöhung von Stresshormonen mit einer vermehrten Verwendung linker Sinnesorgane und Gliedmaßen einher ging. Weiterhin zeigten sich Pferde, die bevorzugt mit den linken Vordergliedmaßen aus stehender Position starteten, eher als Pessimisten. Nichtsdestotrotz wurden die linken Sinnesorgane in positiven Interaktionen wie freundliche Annäherung und gegenseitige Fellpflege ebenfalls bevorzugt. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Stärke der Lateralität (schwach/stark einseitig) und den Tierwohlindikatoren, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Richtung der Lateralität (links-/rechtsseitig) von größerer Bedeutung sein wird.

Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass die Lateralität ein vielversprechender, zuverlässiger, wiederholbarer und objektiver Tierwohlindikator sein kann, der mit weniger Zeitaufwand kostengünstig und einfach zu beurteilen ist. Vergleichbar mit bereits etablierten Stressparametern hat auch die Lateralität als Tierwohlindikator ihre Grenzen. Daher wird empfohlen, zeitgleich andere Tierwohlindikatoren, deren Veränderungen und die Veränderungen der Lateralität zu erheben. Unterschiedliche Eigenschaften und Charakterzüge verursachen eine hohe Variation zwischen verschiedenen Pferden, auch ohne Stresseinwirkung oder beeinträchtigtem Tierwohl. In der Dissertation werden mögliche Einflüsse und Beziehungen zwischen emotionaler Informationsverarbeitung und der Lateralisierung der Gehirnhälften diskutiert. Es sind weitere Untersuchungen notwendig, um zuverlässigere und standardisierte Messmethoden, insbesondere der motorischen Lateralität, zu etablieren und um den Zusammenhang zwischen emotionaler Informationsverarbeitung und Lateralität sowie anderen möglichen Faktoren besser zu verstehen.

„Characterization of equine Staphylococcus aureus isolates with particular reference to their oxacillin and sulfamethoxazole/trimethoprim susceptibility”

Anissa Scholtzek (Dissertation (PhD), Freie Universität Berlin, Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen)

Staphylococcus aureus ist ein Bakterium, welches bei Pferden eine Vielzahl von Infektionen, z.B. Hautinfektionen, Infektionen des Respirationstrakts, Wundinfektionen, aber auch Septikämien verursachen kann. Da in der Pferdemedizin nur vergleichsweise wenige Antibiotika zugelassen und im Handel verfügbar sind, sind die Therapieoptionen hier limitiert. Oxacillin/Methicillin-resistente S. aureus (MRSA) stellen hier eine besondere Herausforderung dar, da diese Resistenz die Verwendung von Penicillinen und Cephalosporinen ausschließt und somit die Therapieoptionen weiter einschränkt. Die häufige Multiresistenz dieser Isolate verstärkt die Problematik zusätzlich. Die korrekte Identifizierung von Antibiotikaresistenzen bei S. aureus-Infektionen ist demnach von großer Bedeutung. Nicht immer ist diese Klassifizierung jedoch eindeutig und leicht zu erreichen.

In dieser PhD-These wurden 19 S. aureus-Isolate, die Infektionen in einer Berliner Pferdeklinik verursachten, hinsichtlich ihrer Verwandtschaft und zwei Resistenzphänomenen untersucht: (1) Borderline-Oxacillin-resistente S. aureus (BORSA), die eine reduzierte Oxacillin-Empfindlichkeit aufweisen, ohne ein entsprechendes Resistenzgen zu tragen und (2) die diagnostische Problematik bezüglich der korrekten Klassifizierung von S. aureus-Isolaten als resistent gegenüber der Wirkstoffkombination Sulfonamid/Trimethoprim (SXT). Um die Resistenzphänomene aufzuklären, wurden vergleichende Empfindlichkeitsprüfungen, genetische Untersuchungen und ein quantitativer biochemischer Test verwendet.

Die Isolate konnten zwei Gruppen zugeordnet werden, die innerhalb der Gruppen eine enge genetische Verwandtschaft aufwiesen. Sie waren resistent gegenüber den meisten für Pferde verfügbaren Antibiotika (Penicilline, Aminoglykoside, Trimethoprim, Tetrazykline und Fluorchinolone). Der BORSA-Phänotyp wurde durch die Überproduktion einer β-Laktamase, eines Enzyms, das Penicilline inaktiviert, verursacht. Bezüglich der Kombination SXT konnten nur jene Isolate eindeutig als resistent klassifiziert werden, welche Resistenzdeterminanten gegenüber Sulfonamiden und Trimethoprim aufwiesen. Ein Patient mit einem solchen vollständig resistenten Isolat wurde mit SXT behandelt, wobei die Behandlungsdauer – vermutlich durch die Resistenz des Keims – deutlich verlängert war.

Zusammenfassend betonen die Ergebnisse die Wichtigkeit der korrekten Klassifizierung von Antibiotikaresistenzen in der Pferdemedizin. Die untersuchten Isolate wiesen Resistenzen gegenüber einem Großteil der für Pferde zugelassenen Antibiotika auf. Es werden Ansätze geliefert, wie die korrekte Klassifizierung erreicht werden kann. Vor allem die labordiagnostischen Ergebnisse bezüglich der Wirkstoffkombination SXT sollten mit Vorsicht und Sorgfalt bewertet werden, um ein Therapieversagen zu verhindern.

 


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