Bewerbung GWP-Förderpreis 2021: Drei Masterarbeiten zur Pferdeforschung GWP-Förderpreis 2021

Jedes Jahr zeichnet die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd GWP e.V. die jeweils drei besten Arbeiten in den Kategorien Bachelor, Master und Dissertationen mit den GWP-Förderpreisen aus – und honoriert damit die Arbeit der jungen Nachwuchsforscher zu Wissenschaftsthemen rund um das Pferd. Hier sind alphabetisch geordnet die Kurzzusammenfassungen der Bewerbungen um den GWP-Förderpreis 2021, Kategorie Masterarbeiten.

„Akzeptanz von verschiedenen Salzkonzentrationen im Tränkwasser bei Ponys“

Janine Brüggemann (Masterarbeit, Georg-August-Universität Göttingen, Department Ökologie für Nutztierhaltung)

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ab welcher Salzwasserlösung die Population von sechs Shetlandponys Frischwasser gegenüber dem Salzwasser eindeutig bevorzugt.

Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden einem Two-Choice-System für jeweils zwei Tage verschiedene Salzkonzentrationen von 0,25% bis 1,50% (0,25%; 0,50%; 0,75%; 1,00%; 1,25%; 1,50%) und ein Eimer Frischwasser angeboten. Die aufgenommenen Mengen aus den jeweiligen Eimern wurde täglich dokumentiert und die daraus aufgenommenen Salzmengen ermittelt. Zusätzlich erfolgte die Aufzeichnung der konsumierten Menge aus dem ad libitum angebotenen Mineralleckstein und der rationierten Raufutterportionen. Auch das Körpergewicht und der Body Condition Score der Tiere wurde erfasst. Um das Verhalten der Ponys auszuwerten, wurde stichprobenartig eine 24-stündige Verhaltensbeobachtung per Videoaufnahmen durchgeführt. Insgesamt bestand die Studie aus einer Kontrollphase und einer anschließenden Versuchsphase.

Bis zu einer Salzkonzentration von 0,25% zeigten sich neutrale Geschmacksantworten. Ab 0,5% unterschieden die Tiere zwischen Salz- und Frischwasser mit einer Präferenz gegenüber der Salzlösung. Ab 0,75% Salz im Wasser stellte sich der Salzwasserlösung gegenüber einer beginnenden Ablehnung ein, die sich jedoch erst für die Salzkonzentrationen von 1,25% und 1,50% signifikant zeigte.

Insgesamt war sowohl in der Kontroll-, als auch in der Testphase ein Überkonsum von Salz bzw. Natrium zu beobachten. Trotz Salzangebots aus dem Wasser, reduzierte sich die Aufnahme aus dem angebotenen Leckstein nicht. Hohe Salz- bzw. Natriumtoleranz oder die fehlende Feineinstellung des Natriumhaushaltes der Tiere könnten ein Grund dafür sein. Wasser- und Elektrolythaushalt sowie persönliche Geschmackspräferenzen könnten Einfluss auf das Test-, Aufnahme- und Ablehnungsverhalten der Tiere haben. Die Ponys zeigten zum Teil sehr individuelle Verhaltensweisen, jedoch war die Gesamttendenz der dokumentierten Daten und Verhaltensmerkmale bei allen Tieren sehr ähnlich.

Im Anschluss an diese Studie empfehlen sich anknüpfende Studien mit größerer Population und einer größeren Stichprobe, in denen Verhaltensreaktionen genauer untersucht werden und welchen Einfluss dabei physiologische Antworten des Wasser- und Elektrolythaushalts haben können.

„Analysis of the Warmblood Fragile Foal Syndrome and other genetic disorders in the German Warmblood Population”

Lisa Büttgen (Masterarbeit, Georg-August-Universität Göttingen,  Department für Nutztierwissenschaften)

Das Warmblut-Fragile-Fohlen-Syndrome (WFFS) ist ein monogener, in homozygoter Form letaler Erbdefekt der Kollagenbiosynthese. Betroffene Fohlen kommen lebensschwach mit meist deutlichen Hautrupturen oder als Spätaborte zur Welt. Im Jahr 2018 erlangte das WFFS öffentliches Interesse. Damit stellte sich die Frage nach dem Auftreten und der Verbreitung, da durch Vermeidung der Anpaarung zweier WFFS-Träger das Auftreten des letalen Genotyps verhindert werden kann. Weitere monogene Erbkrankheiten, die in der Deutschen Warmblutpferdepopulation vermutet wurden, sind die Muskelstoffwechselstörung Polysaccharidspeichermyopathie (PSSM) Typ 1, die bereits bei Warmblutpferden beschrieben wurde, aber typischerweise bei Kaltblutpferden auftritt, und die Zerebellare Abiotrophie (CA), die Purkinjezellen im Kleinhirn befällt und bisher vor allem bei arabischen Pferden und verwandten Rassen beschrieben wurde, welche aber auch in der Warmblutzucht als Veredlerrassen genutzt werden.

Ziel der Studie war es, das Auftreten dieser drei Krankheiten in der deutschen Warmblutpopulation zu verifizieren und gegebenenfalls zu quantifizieren sowie den Ursprung der Mutationen abzugrenzen. Daher wurde eine Stichprobe von 200 vorzugsweise unverwandten Pferden auf diese drei Gendefekte untersucht. Für WFFS wurde eine Trägerfrequenz von 10,5% und damit eine Allelfrequenz von 5,4% gefunden. Folglich ist zu erwarten, dass 0,3% der Verpaarungen, unter Annahme zufälliger Verpaarung, zum nicht lebensfähigen Genotyp WFFS/WFFS führen würden. Die WFFS-Trägerfrequenz der Stichprobe der Deutschen Warmblüter war signifikant höher als die Trägerfrequenz bei Vollblütern. Bei keinem der Pferde in der Stichprobe wurde ein PSSM Typ 1 oder CA hervorrufendes Allel gefunden, was nicht zwingend bedeutet, dass die Allelfrequenz in der deutschen Warmblutpopulation gleich Null ist.

Eine Pedigreestudie aller WFFS-Träger ergab Dark Ronald xx als jüngsten gemeinsamen Vorfahren. Dieser Hengst kam jedoch auch bei den untersuchten Pferden in den Pedigrees aller WFFS-freien Pferde vor. Ebenso wurden keine signifikanten Unterschiede im Inzuchtniveau von WFFS-Trägern und WFFS-freien Pferden gefunden. Dementsprechend kann aus dieser Analyse nicht der Schluss gezogen werden, dass dieser Hengst Träger oder gar der Ursprung der Mutation war.

„Horses as a crucial part of One Health“

Nelly Lönker (Masterarbeit, Georg-August-Universität Göttingen,  Department für Nutztierwissenschaften)

One Health (OH) ist ein ganzheitlicher Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als ein zusammenhängendes System versteht. Der interdisziplinäre Ansatz von OH kombiniert deshalb u.a. Veterinär- und Humanmedizin, Umweltwissenschaften und Public Health. Bisher wurde dieser relativ neue Zugang vorwiegend im Zusammenhang mit Zoonose-Erregern verwendet und gewinnt in diesem Kontext zunehmend an Bedeutung, da 61% der Infektionserreger zoonotisch sind.

Mein Review-Artikel beschäftigt sich mit der Rolle des Pferdes im OH-Ansatz und zeigt auf, welche gesundheitsrelevanten Interaktionen zwischen Pferd und Umwelt und insbesondere zwischen Pferd und Mensch bestehen. Der Einfluss von Pferden auf die Umweltgesundheit betrifft u.a. die Bodenqualität und die Artenvielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Aus einer OH-Perspektive ist die Wirkung von Pferden in der Regel nicht linear: Faktoren wie die koevolutionäre Entwicklung von Pflanzen und Pferde sind in diesem Zusammenhang ebenso wichtig wie Klima und Tierdichte.

Die lange Geschichte der Beziehung zwischen Pferd und Mensch ist vor allem durch den Dienst der Pferde in Kriegen, in landwirtschaftlichen Bereichen und sogar in Minen geprägt. Darüber hinaus waren und sind Pferde auch im medizinischen Bereich wichtig. So waren sie wesentlich an der Entwicklung des ersten Diphterie-Heilserums beteiligt und werden heute im Rahmen tiergestützter Therapien eingesetzt. Hinzu kommt – um nur einige wenige weitere Beispiele zu nennen – ihre Bedeutung für die Unterstützung des Lebensunterhalts in einkommensschwachen Ländern und für den Freizeitbereich. Pferd-Mensch Interaktionen im engeren Sinne sind von Bedeutung etwa bei der Übertragung zoonotischer Krankheiten von Wildtieren auf den Menschen (z.B. Hendra-Virus) und bei nicht-übertragbaren Krankheiten (z.B. posttraumatische Osteoarthritis bei Pferden und Rückenschmerzen bei Reitern). Außerdem hat der Mensch für die artgerechte Haltung des Pferdes zu sorgen, um es z.B. vor haltungsbedingten Stereotypien zu schützen.

Ein weiteres Thema meines OH-Reviews sind Risikofaktoren wie der Klimawandel und die Bedrohung der Gesundheit von Mensch und Pferd durch die Antibiotika-Resistenz.


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