Bewerbung GWP-Förderpreis 2021: 15 Bachelorarbeiten zur Pferdeforschung GWP-Förderpreis 2021 / Neues aus der Pferdeforschung

Jedes Jahr zeichnet die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd GWP e.V. die jeweils drei besten Arbeiten in den Kategorien Bachelor, Master und Dissertationen mit den GWP-Förderpreisen aus – und honoriert damit die Arbeit der jungen Nachwuchsforscher zu Wissenschaftsthemen rund um das Pferd. Hier sind alphabetisch geordnet die Kurzzusammenfassungen der Bewerbungen um den GWP-Förderpreis 2021, Kategorie Bachelorarbeiten.

„Status Quo der Pferdehaltung – eine Analyse der aktuellen Haltungsbedingungen von Pferden in der Schweiz“

Merle Ahlke (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Die Haltungsbedingungen domestizierter Pferde spielen eine bedeutende Rolle für das Wohlbefinden der Tiere. Aufgrund dessen ist eine Erfassung dieser Bedingungen grundlegend für die Einschätzung der Haltung in Bezug auf das Tierwohl. Insbesondere die Gestaltung des Haltungssystems in einer Form, welche die Befriedigung aller artspezifischen Bedürfnisse ermöglicht, ist dabei zu beachten. Die Arbeit soll unter Berücksichtigung von Tierwohlaspekten und gesetzlichen Vorgaben die folgende Forschungsfrage beantworten: Wie stellt sich derzeit die Pferdehaltung und dabei insbesondere die Beschaffenheit des Haltungssystems und das Haltungsmanagement in der Schweiz dar?

Hierfür wurde eine Online-Befragung durchgeführt, welche sich an alle Pferdehalter in der Schweiz richtete und neben den Daten zur Struktur des Betriebes vor allem Informationen zur Haltungsform, den Maßen der Haltungssysteme sowie zu Auslaufmöglichkeit, Fütterung und Entmistung abfragte. Die Teilnahmen an der Befragung ergaben, dass Pferde in der Schweiz signifikant häufiger in Einzelboxen als in Gruppen gehalten werden (Binomialtest: n=1.702, p<0,001), während innerhalb der Boxenhaltung die Paddockboxen häufiger auf den Betrieben vorhanden sind als andere Boxenarten (Binomialtest: n=83, p=0,008). Fast alle der Einzelboxen sind mindestens so groß gestaltet, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist (Binomialtest: n=123, p<0,001). Knapp ein Viertel der einzeln gehaltenen Pferde und über die Hälfte der Pferde in Offenstallhaltung haben ständig Raufutter zur Verfügung, während der Rest mindestens zweimal täglich mit Raufutter gefüttert wird. Fast alle der Pferde erhalten das ganze Jahr über täglichen Auslauf, wobei die mittlere Dauer zwischen sechs (Median: n=55, min.=0, max.=24) und 24 Stunden (Median: n=40, min.=2, max.=24) in Abhängigkeit von Haltungsform und Jahreszeit liegt. Sowohl in der Boxenhaltung (x²=50,267, p<0,001) als auch in der Offenstallhaltung (x²=55,872, p<0,001) wird der Liegebereich häufiger mindestens einmal täglich entmistet.

Die Ergebnisse zeigen eine insgesamt an den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur artgerechten Pferdehaltung orientierte Praxis sowie die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften in den meisten Fällen. Die Haltungssysteme und das Management der Pferdehaltung sind insgesamt häufig an den Bedürfnissen der Tiere orientiert, wobei in einigen Aspekten noch Optimierungsmöglichkeiten vorhanden sind.

„Die Wirkung von Yoga auf Reiterinnen“

Christiane Arnold (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Ausgleichssport wird zunehmend bedeutender im Reitsport. Als ideale Ergänzung zum Training im Sattel kann auch Yoga einen positiven Einfluss auf die Beweglichkeit, Ausgeglichenheit und Fitness der Reiter haben. Wie sich das Sitzgefühl und der allgemeine Gesundheitszustand durch eine regelmäßige Yogapraxis verändert haben, wurde in der Bachelorarbeit „Die Wirkung von Yoga auf Reiterinnen“ von Christiane Arnold untersucht.

Sieben Teilnehmerinnen ohne Vorkenntnisse absolvierten ein fünfwöchiges Trainingsprogramm. Dieses wurde speziell auf die Bedürfnisse von Reitern abgestimmt. Ein geöffneter Brustkorb, um aufrecht sitzen zu können, bewegliche Hüften, um den Bewegungen des Pferdes harmonisch folgen zu können oder gut gedehnte Beinrückseiten, um ein langes Bein im Sattel zu ermöglichen, sind nur einige wichtige Bestandteile des Programms. Vor- und nachher wurden unterschiedliche Gesichtspunkte analysiert. Beweglichkeitsmessungen am Boden wurden nach ausgewählten Methoden des Sportmotorischen Tests vorgenommen. Die Auswertung über einen Fragebogen ermöglicht das Einbringen persönlicher Empfindungen und des eigenen Sitzgefühls. Eine Sitzanalyse auf dem Reitsimulator in München ermöglicht den Vergleich der Teilnehmerinnen im Sattel unter annähernd gleichen Bedingungen.

Für die Auswertung wurde neben einem Vergleich der Balance- und Schwerpunktmessungen auch das aufgenommene Videomaterial mit einbezogen. Die Antworten des Fragebogens wurden hauptsächlich über Wortwolken vorgenommen. So konnten die persönlichen Eindrücke der Teilnehmer verdeutlicht werden. Die Werte des Bodentests wurden statistisch ausgewertet. Nach Beenden der Studie konnten alle Teilnehmerinnen über ein verbessertes Sitzgefühl, mehr Beweglichkeit, gesteigerte Alltagsfitness und Ausgeglichenheit berichten. Die Dehnfähigkeit bestimmter Muskelgruppen wurde verbessert. Regelmäßige Yogapraxis konnte in dieser Studie einen positiven Effekt für das Training mit dem Pferd und die persönliche Gesundheit erzielen.

„Der erworbene Bockhuf des Jungpferdes – Entstehung, Verlauf und Therapie“

Reva Gadhöver (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Das Ziel dieser Arbeit ist eine Zusammentragung und Erfassung der gegenwärtigen Forschungsstände, Meinungen und Erfahrungen zum Thema erworbener Bockhuf des Jungpferdes. Die Forschungsfragen beinhalten die Frage nach den Entstehungsursachen, der fortschreitenden Ausbildung der Fehlstellung und den Therapiemöglichkeiten.

Um eine praxisnahe Erhebung zu gewährleisten, wurden neben der Literaturrecherche sechs Experten im Zuge eines Experteninterviews befragt. Drei der befragten Experten sind Tiermediziner, die anderen drei Experten sind staatlich geprüfte Hufschmiede. Um das Wissen und die Erfahrungen der Experten zu extrahieren, wurde das theoriegenerierende Experteninterview als Forschungsmethode gewählt. Der erstellte Interviewleitfaden besteht aus den drei Forschungsfragen mit Unterpunkten.

Die Experten diskutieren über die Heritabilität als Entstehungsursache oder Bewegung und Schmerz als limitierenden Faktor. Einig sind sich die Experten selten, auch innerhalb der Gruppen nicht. Jedoch gibt es auch Entstehungsursachen, welche von den Experten eine Fachbereichs überzeugend hervor gehoben werden und von den anderen keinerlei Erwähnung findet. Ist die Entstehungsursache noch so vielfältig, muss diese in jedem Fall abgestellt werden, um die Ausbildung zu stoppen. Bewegung kann die betroffenen Sehnen dehnen und somit die Korrektur fördern.

Die Therapiemöglichkeiten können in die mechanische Bearbeitung und Beschlag, medikamentöse Behandlung und Operation unterteilt werden. Die erste Option sollte in gering- und mittelgradigen Fällen immer das Kürzen der Trachten sein, um das Zehenwachstum zu fördern und den Huf flacher zu stellen. Geklebter oder genagelter Beschlag ist eine weitere Option. Ein hoch dosiertes Antibiotikum kann zu einer vermehrten Durchtrittigkeit im Fesselgelenk führen und somit eine normale Stellung generieren. Bringt keine der Methoden Erfolg, kann die Durchtrennung des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne vorgenommen werden. Der erworbene Bockhuf kann viele verschiedene Ursachen haben, wohingegen die Therapie oft ähnlich ist. Auffällig ist, dass die Verknüpfung der „inneren Strukturen“ und den „äußeren Strukturen“ des Pferdebeins weitestgehend fehlt. Weder in der Literatur noch bei den Experten findet eine übergreifende Verknüpfung statt.

„Die Rolle des amerikanischen Mustangs in der Veredlungszucht der Quarter Horses und Paint Horses“

Lena Goetze (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Viele Mustangs leben aufgrund von Überpopulation und kleiner werdenden Flächen in Amerikas Auffangstationen. Da die Wildpferde unter Schutz stehen, werden sie in regelmäßigen Abständen eingefangen und in staatlichen Auffangstationen untergebracht und versorgt. Hier warten sie auf ein neues Leben, wozu nur wenige die Chance bekommen. Die Zahl der in Gefangenschaft lebenden Mustangs wächst jährlich. Durch ihre Ähnlichkeit und geschichtliche Verbundenheit liegt der Vergleich mit den amerikanischen Rassen Quarter Horse und Paint Horse nahe.

Beide Rassen sind in Amerika entstanden und nah miteinander verwandt. Durch die Veredlungszucht wurden bereits einige Rassen verbessert, weshalb die Frage naheliegt, ob auch der Mustang als Veredler der Rassen Quarter Horse und Paint Horse genutzt werden könnte. Gerade Erbkrankheiten, Fellfarben und Scheckungen können gezielt durch die Zucht beeinflusst werden, sowie einige rassetypische Merkmale wie Größe und Bemuskelung. So ist gerade die Farbe und Scheckung für das Paint Horse wichtig und die Robustheit, Härte und Gesundheit für die Quarter Horses. Der robuste Mustang könnte für beide domestizierten Rassen in unterschiedlicher Ansicht interessant werden.

Ein genauer Vergleich der drei Rassen zeigt, in welchen Merkmalen sich die Rassen für die Veredlungszucht eignen. Die Farbzucht der Quarter Horses und Paint Horses könnte durch den Mustang nur positiv beeinflusst werden, da der Mustang viele Farben und für das Paint Horse auch interessante Scheckungen mit sich bringt. Durch die Einkreuzung des Mustangs als Veredler könnten einige Erbkrankheiten der Quarter und Paint Horses verringert werden. Sofern man die Anpaarungen richtig wählt, könnten so gesunde Tiere entstehen oder zumindest nur Trägertiere, die bei einer weiteren Anpaarung die Krankheit nicht mehr weitergeben würden. Für alle drei Rassen könnte sich ein Vorteil aus dieser Veredlungszucht ergeben.

„Horses as Healers – Positive Effects of Equine Based Therapy on Patients with a Brain Injury: A Review“

Svenja Groth (Bachelorarbeit, Freie Universität Berlin, Fachbereich Veterinärmedizin)

Pferdegestützte Therapieformen, beispielsweise die Hippotherapie oder das Therapeutische Reiten, finden Anwendung in der Rehabilitation und Therapie von Patienten mit körperlichen oder seelischen Einschränkungen. Dabei hat die Bewegungsübertragung vom Pferd in den Körper des Patienten physiotherapeutische Wirkung. Darüber hinaus wirkt die Kommunikation zwischen Pferd und Patient auf Ebene der Körpersprache und der Aufbau einer Mensch-Pferd-Beziehung psychotherapeutisch. Die vorliegende Thesis untersucht die aktuelle Studienlage pferdegestützter Therapieformen und ihre positiven Auswirkungen auf Patienten mit Hirnverletzung.

Dies wird mittels eines systematischen Literaturreviews untersucht. Dabei wird die Datenbank PubMed nach experimentellen Studien zum Thema systematisch anhand Einschluss- und Ausschlusskriterien durchsucht. Das finale Ergebnis umfasst fünf Studien zum Thema. Dabei befassen sich vier Studien mit der Therapieform der Hippotherapie und eine Studie mit der Therapieform des Therapeutischen Reitens. Alle Studien halten positive physische Entwicklungen der Patienten durch die pferdegestützte Therapie fest, insbesondere in der Gangentwicklung und der Gleichgewichtsfähigkeit. Zwei der gefundenen Studien hatten die Zielsetzung, auch positive psychische Effekte zu dokumentieren. Dabei wurden insbesondere Verbesserungen in den Feldern Motivation und soziale Interaktion gemessen. Die Anzahl der zur Thematik gefundenen Studien lässt darauf schließen, dass die Forschung hier noch am Anfang steht. Auch die Größe der Studien und Probandengruppen in den fünf Untersuchungen zeigen, dass noch ein großer Bedarf an weiteren Untersuchungen besteht.

Dennoch dokumentieren die analysierten Ergebnisse ausschließlich positive Entwicklungen, sowohl in physischer als auch psychischer Rehabilitation der Patienten mit Hilfe pferdegestützter Therapie. Pferdegestützte Therapien zeigen in bereits umfangreich untersuchten Erkrankungen, wie zum Beispiel posttraumatischen Belastungsstörungen oder Multipler Sklerose, ausschließlich positive Entwicklungen in der Rehabilitation. Hirnverletzungen und deren Regeneration sind sehr individuell und benötigen weitere spezifische Untersuchungen, unter anderem zum optimalen Zeitraum der Genesung und Rehabilitation. Daran können dann auch Untersuchungen zur pferdegestützten Therapie anknüpfen, um eine zukünftig bessere und erfolgreichere Rehabilitation in diesem noch sehr unerforschten Gebiet zu ermöglichen.

„Versicherungen in der Pferdewirtschaft – eine Marktanalyse zu den Pferde-Operations-Versicherungen in Deutschland“

Alina Korte (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Eine operative Behandlung bei einem Pferd erzeugt Tierarztrechnungen in Höhe von bis zu mehreren Tausend Euro. Durch die zu den Tierkrankenversicherungen gehörenden OP-Versicherungen für Pferde lassen sich diese tierärztlichen Behandlungen finanziell absichern. Die Arbeit vergleicht das Angebot der Pferde-OP-Versicherungen in Deutschland. Ziel ist es herauszuarbeiten, welche die geeignetste Versicherung für potenzielle Versicherungsnehmer ist, und aufzuzeigen, in welchen Bereichen Versicherungsunternehmen Verbesserungspotenzial aufweisen.

Aktuell werden 15 Tarife von fünf Versicherungsunternehmen angeboten. Bei den Unternehmen handelt es sich um die Allianz, die Uelzener, die R+V, die GHV und die Basler, welche ausschließlich durch Schütz und Thies vertrieben wird. Jeder Versicherer verfügt über drei Produktvarianten, welche tabellarisch gegenübergestellt, analysiert und diskutiert werden. Dabei zeigen die in dieser Arbeit dargestellten Tabellen die Unterschiede zwischen den Versicherern und deren Tarife im direkten Vergleich. Neben den Leistungen werden auch die nicht versicherten Leistungen tabellarisch miteinander verglichen. Der Versicherungsbeitrag lässt sich durch verschiedene Nachlassmöglichkeiten reduzieren. Anhand von Diagrammen wird die Höhe der Prämien zu den einzelnen Tarifen sowie deren Veränderung durch verschiedene Nachlassmöglichkeiten dargestellt.

Bei Betrachtung der Leistungen besteht die Möglichkeit zu ermitteln, welcher Tarif den größten Leistungsumfang aufweist und bei welchem Tarif die wenigsten Leistungen angeboten werden. Zum Generieren eines Preis-Leistungs-Verhältnisses kann die Anzahl der Leistungen des jeweiligen Tarifs gezählt und anschließend in ein Verhältnis mit der zu dem Tarif gehörenden Prämie gesetzt werden. Jedoch ist eine objektive Betrachtung der Leistungsanzahl nicht sinnvoll, da die Quantität der Leistungen keine Aussage über die Qualität der Leistungen trifft.

Versicherungsnehmer erzeugen ein individuelles, auf sich zugeschnittenes Preis-Leistungs-Verhältnis, da sie sich unter Einfluss von persönlichen Vorstellungen, Gefühlen und Erfahrungen für eine OP-Versicherung entscheiden. Aufgrund der individuellen Präferenzen der Versicherungsnehmer ist ein Preis-Leistungsvergleich der Versicherungsangebote nur wenig zielführend. Der im Rahmen dieser Arbeit erstellte Leitfaden soll einem potenziellen Versicherungsnehmer eine Hilfestellung sein, um eine Pferde-OP-Versicherung zu finden, die seinen Ansprüchen gerecht wird.

„Genetic diversity of Connemara Pony populations with a geographical distance to the native breed in Ireland, New Zealand, Australia and Canada“

Alina Kathrin Michler (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Die Erhaltung der genetischen Diversität ist ein oft unterschätzter, aber dennoch wichtig zu berücksichtigender Faktor in der Tierzucht. Auch das in Irland heimische Connemara-Pony muss sich dieser Herausforderung stellen. Dies gilt insbesondere, seitdem die Rasse immer größere Beliebtheit erlangte und weltweit in Subpopulationen verteilt ist. Um den aktuellen Status der genetische Vielfalt der Connemara-Ponys zu untersuchen, stellten Zuchtverbände aus Neuseeland, Australien und Kanada DNA-Profile aller in ihrem Zuchtbuch registrierten Ponys zur Verfügung. Des Weiteren wurden bereits existierende Daten von 69 Connemara-Ponys aus den USA hinzugefügt (nicht repräsentativ für die Population). Faktoren, welche die genetische Diversität beeinflussen – wie die Heterozygosität, Inzucht und genetische Distanzen (PCA, FCA) – wurden anhand dieser Daten berechnet.

Die Ergebnisse zeigten eine allgemein hohe genetische Diversität der vier untersuchten Populationen. Mit einer Heterozygosität zwischen 0,779 und 0,789 und einer durchschnittlichen Anzahl an Allelen zwischen 7,25 und 7,83 fanden sich die Connemara-Ponys in einer besseren Situation als viele andere Pferderassen. Die durchweg negativen Werte des Inzuchtkoeffizienten FIS wiesen ebenfalls auf wenig Inzucht und somit ein gutes Zuchtmanagement in der Vergangenheit hin. Verglichen mit einer Studie von Winton et al. (2019), welche die genetische Diversität der Connemara-Ponys in ihrem Heimatland untersuchte, zeigte sich, dass die Rasse in ihren Subpopulationen sogar eine höhere genetische Variabilität als in der Heimpopulation zu haben scheint.

Die Analysen der genetischen Distanzen offenbarte zudem, dass alle getesteten Populationen genetisch voneinander abgrenzbar und unterscheidbar sind. Dies lässt sich durch die geografische Distanz und das unterschiedliche Zuchtmanagement erklären und bedeutet aber gleichzeitig, dass die verschiedenen Populationen als Quelle der Vielfalt füreinander dienen könnten.

Insgesamt deuteten die Ergebnisse also darauf hin, dass die geografische Distanz keinen negativen Einfluss auf die genetische Diversität der Subpopulationen dieser Studie hat. Im Gegenteil, die Populationen könnten als Quelle der Vielfalt füreinander und für die Heimpopulation in Irland dienen. So könnten Züchter die Diversität der Rasse aufrechterhalten oder sogar steigern, während die Merkmale, die das Connemara-Pony ausmachen, erhalten blieben.

„RollArt® Faszientherapie – Analyse der Wirksamkeit durch Thermographie und Höhenmessungen“

Cheyenne Muhsau (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

In der Bachelorarbeit wurde der Einfluss einer Faszienrolle auf die Oberflächentemperatur des Pferderückens und die Höhe der Rückenlinie anhand eines Versuchs erörtert.

Faszien übernehmen viele wichtige Aufgaben im Körper. Dazu gehört das Umhüllen von Muskeln und inneren Organen, wodurch sie diese gleichzeitig trennen und ihnen Stabilität verleihen. Um auftretende Probleme, wie Faszienverklebungen zu lösen, gibt es einige Therapieansätze. Ein Ansatz ist die Behandlung mit der RollArt® Faszienrolle, welche anhand einer Untersuchung analysiert wurde.

Im Versuch wurden bei den zwölf teilnehmenden Pferden jeweils fünf Punkte am Rücken markiert. Die Markierungen am Widerrist, dem 12. und 18. Brustwirbel waren sowohl für die Wärme-, als auch die Höhenmessungen relevant. Die Punkte auf dem Trapezmuskel und dem breiten Rückenmuskel waren nur für die thermographischen Messungen bedeutsam. Die Höhenmessungen wurden mit einem Stockmaß durchgeführt. Über eine Wärmebildkamera konnten Daten zu den Oberflächentemperaturen am Pferd erschlossen werden. Beide Messungen wurden direkt vor und unmittelbar nach der Faszienbehandlung sowie am Tag darauf gemacht.

Es konnte kein aussagekräftiger Einfluss der Faszienbehandlung auf den Verlauf der Rückenlinie festgestellt werden, denn es waren keine signifikanten Unterschiede der Mittelwerte zwischen den Messungen vorhanden. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Faszienrolle keine Auswirkung auf die Höhe des Rückens hat.

Bezüglich der Wärme konnten bedeutende Unterschiede zwischen den Messungen vor und nach der Behandlung gemessen werden. Bei vier von fünf Markierungen stieg die Temperatur signifikant an, was hauptsächlich auf die Faszienbehandlung zurückzuführen ist, da einige Einflussfaktoren ausgeschlossen werden konnten. Am Tag nach der Behandlung konnte jedoch kein erwähnenswerter Temperaturunterschied mehr vermerkt werden, was an dem langen Zeitraum zwischen den Messungen liegen kann. Trotzdem überzeugt die RollArt® Faszienrolle als Therapieform bei Muskelverspannungen und Faszienverklebungen.

„Untersuchung der Bedeutung von digitalen Managementsystemen für pferdehaltende Betriebe mittels web survey“

Hanna Oehmke (Bachelorarbeit, Christian-Albrechts-Universität Kiel, Institut für Tierzucht und Tierhaltung)

Ziel dieser Arbeit war es, die Bedeutung der Nutzung von Softwarelösungen für das Stall- und Zuchtmanagement  in Pferdebetrieben zu erörtern. Dabei gliedert sich die Arbeit in zwei Abschnitte, einen Literaturteil sowie einen empirischen Teil. Im ersten Abschnitt wurden die verschiedenen Anforderungen von pferdehaltenden Betrieben an ein Managementprogramm detailliert erläutert. Darüber hinaus umfasst dieser Abschnitt eine umfangreiche vergleichende Darstellung von derzeit auf dem Markt befindlichen Apps/Managementprogrammen für verschiedene Betriebsrichtungen. Der zweite Abschnitt der Arbeit umfasst die Konzeption und Auswertungen einer Online-Umfrage zur Nutzung dieser Tools. Die Umfrage richtete sich sowohl an Betriebe, die bereits ein Managementprogramm einsetzen oder in der Vergangenheit eingesetzt haben, als auch an Betriebe, die bislang kein Managementprogramm verwendet haben, und sie wurde bundesweit über verschiedenste Multiplikatoren (Berater, Verbände, Zeitschriften) gestreut.

Die Auswertung der Online-Umfrage zeigt, dass der Einsatz von digitaler Managementsoftware noch nicht weit verbreitet ist. Nur ein kleiner Teil, der an der Umfrage teilnehmenden, pferdehaltenden Betriebe, nutzen ein solches Tool. Dies sind häufig Betriebe mit einer großen Anzahl gehaltener Pferde. Die befragten Betriebsleiter gaben unter anderem an, zu wenig über die Programme informiert zu sein. Dabei konnte im ersten Abschnitt dieser Arbeit festgestellt werden, dass ein umfassendes Angebot verschiedener Softwarelösungen auf dem Markt verfügbar ist. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse der Umfrage, dass die wenigen Betriebe, die ein Managementsystem nutzen, diese Software auch sinnvoll einsetzen und für den Betrieb als hilfreich bezeichnen. Für den einzelnen Betrieb, der eine Managementsoftware nutzt, hat der Einsatz von digitalen Managementsystemen damit Bedeutung. Auch wenn digitale Managementprogramme noch keine große Bedeutung in der Pferdebranche haben, so ist die Tendenz zur Nutzung einer Software gerade in jüngster Zeit steigend.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass in der Pferdebranche ein enormes Potential für digitale Lösungen zur Optimierung von Managementprozessen vorhanden ist. Diese Tools werden aber zum jetzigen Zeitpunkt wenig von Betriebsleitern, gerade kleinerer Betriebe, genutzt. Darüber hinaus sollte das Wissen über Grenzen und Einsatzmöglichkeiten von verschiedenen auf dem Markt befindlichen Softwarelösungen weiter in die Praxis pferdehaltender Betriebe getragen werden und individuell abstimmbare Funktionsumfänge von Anbietern auf dem Markt zur Verfügung gestellt werden.

„Möglichkeiten und Grenzen einer getreidefreien Pferdefütterung“

Mona Serena Otte (Bachelorarbeit, Hochschule Osnabrück, Fakultät Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur)

Die getreidefreie Pferdefütterung ist ein Trend, der immer öfter beobachtet wird. Für Pferde, die über den Bedarf hinaus mit Stärke versorgt werden, besteht ein erhöhtes Risiko, an Stoffwechselstörungen zu erkranken. In meiner Bachelorarbeit habe ich mich damit befasst, welche Pferde in der Praxis getreidefrei ernährt werden und wie sich getreidefreie Rationen zusammensetzen. Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler stellen fest, dass der Energiebedarf von Pferden bis zu einem Leistungsniveau von leichter Arbeit allein über Heu gedeckt werden kann.

Die Ergebnisse meiner Onlineumfrage (618 Teilnehmer) zeigen, dass überwiegend Freizeitpferde mit einem geringen Leistungsniveau ohne Getreide gefüttert werden. Auffällig ist, dass ein großer Teil der Teilnehmer das Leistungsniveau seiner Pferde überschätzt. Die Umfrage hat herausgefunden, dass vereinzelt auch Grand-Prix-Pferde getreidefrei gefüttert werden. Die Rationen sind raufutterbasiert und durch Ergänzungsfutter erweitert. In den Deklarationen dieser Ergänzungsfutter fällt ein großer Anteil an getrockneten Gräsern, Luzerne und Trestern auf. Die Energiedichte schwangt von 8,5 MJ DE bis hin zu 12,5 MJ DE (Hafer im Vergleich 12,2 MJ DE). Der wichtigste Energielieferant in getreidefreien Produkten ist Öl. Es gibt keine einheitliche Definition für getreidefreie Produkte. Futtermittelunternehmen weisen jedoch als Kennzeichen auf stärkearme Produkte hin.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die getreidefreie Fütterung für Pferde, die an EMS, ECS, Hufrehe oder Verfettung leiden, bzw. davon gefährdet sind oder im Erhaltungsbedarf stehen, sinnvoll erscheint. Bei gesunden Pferden, die entsprechende Leistung bringen, kann jedoch bedenkenlos Getreide eingesetzt werden, was sich auch seit Jahrhunderten bewährt hat. Da sich diese Fütterungsstrategie erst seit einigen Jahren vermehrt verbreitet, müssen sich weitere Forschungsarbeiten anschließen.

„Do horses (Equus caballus) learn from human demonstration?“

Sophie Schwarz (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Bisherige Studien haben gezeigt, dass Pferde dazu in der Lage sind, durch soziales Lernen von Menschen zu lernen. Dennoch übernahmen die Pferde dabei nicht die vom Menschen in der Demonstration angewandten Methoden. Daher wurde in diesem Versuch Futter unter zerstoßenem Eis versteckt, das die Pferde finden sollten. Das Eis sollte die Umweltbedingungen von Schnee und Eis in den Wintermonaten simulieren, welches Pferde normalerweise mit dem Huf entfernen würden, um im Winter an Futter zu gelangen.

Die Lösung der Aufgabe wurde anhand verschiedener Methoden von einem Menschen demonstriert. Dieser Demonstrator war immer dieselbe Person. Dafür wurden 36 Pferde im Alter von zwei bis 14 Jahren halb-zufällig in drei Gruppen eingeteilt; die Pferde der Gruppe Kopf Demo (N=12) beobachtete, wie der Mensch kniend das Futter mit dem Kopf freilegte und für die Gruppe Fuß Demo (N=12) schob der stehende Demonstrator das Eis mit dem Fuß beiseite. Die restlichen Pferde gehörten der Kontrollgruppe Keine Demo (N=12) an und erhielten keine Demonstration. Daraufhin versuchten die Pferde selbst, das Futter zu finden. Es wurden keine Wiederholungen durchgeführt. Insgesamt haben 13 der Pferde das Lernziel erreicht und das Futter innerhalb von 180 Sekunden gefunden. Davon gehörten sechs Pferde der Keine Demo Gruppe an, drei Pferde der Fuß Demo Gruppe und vier Pferde der Kopf Demo Gruppe.

Alle Pferde haben die Aufgabe mit dem Kopf gelöst. Es bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Erfolg der Pferde und ihrer Testgruppe. Jüngere Pferde hatten tendenziell mehr Erfolg als ältere. Die Hälfte aller Pferde waren Schulpferde, welche sich während des Versuches signifikant öfter an die Experimentatoren wandten als die Privatpferde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Pferde nicht sozial von der Demonstration gelernt haben und auch die vorgeführte Methode des Menschen nicht übernommen haben.

„Die wirtschaftliche Verwendung von überschüssigem Pferdemist als organischer Dünger im Einzelhandel/Gartenbau am konkreten Beispiel des Hofguts Albführen“

Klaus-Ludwig von Bredow (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Die Bachelorarbeit sollte mit Hilfe konkreter Daten des im Südschwarzwald gelegenen Hofguts Albführen einem „Kochbuch“ gleich aufzeigen, ob sich für einen Pferdebetrieb der alternative Verarbeitungsprozess von Pferdemist zu einem natürlichen Düngemittel für den Landschafts- und privaten Gartenbau rentiert und wie dies umgesetzt werden kann. Besonders sollte diese Arbeit Unternehmen und Genossenschaften dazu ermutigen, sich aktiv mit nachhaltigen und wirtschaftlich lohnenswerten Alternativen zur „einfachen“ Entsorgung des Pferdemistes (z.B. auf Feldern oder in Biogasanlagen) auseinanderzusetzen und dadurch im weiteren Schritt auch fachfremde Konsumenten (den Kunden im Landschafts- und Gartenbau) durch vermehrtes Angebot effizienter, umweltfreundlicher, rein biologischer und natürlicher Dünger von dem Nachhaltigkeitsaspekt und einer möglichst effizienten Ressourcennutzung zu überzeugen.

Konkret ging es darum, herauszufinden, welche Produktvarianten denkbar wären, mit welchen Kosten ein Betrieb bei einer solchen Produktion zu rechnen hat, wie groß Arbeitszeit und -platzbedarf ausfallen und welche Maschinen mit welchen Leistungsanforderungen benötigt werden. Hierzu wurden mit Rücksprache diverser Fachpersonen und Maschinenhersteller die geeignetsten Maschinen ausgewählt und vorgestellt. Außerdem sollte die Arbeit dem Betriebsleiter eine Übersicht über wichtige Gesetze, Verpackungsmöglichkeiten und die spätere (potenzielle) Kundengruppe geben. Eine beispielhafte Marketingstrategie sollte dem Unternehmer wichtige Anreize für einen zufrieden stellenden Vertrieb des Produktes aufzeigen und es so ermöglichen, darauf aufbauend schnell einen eigenen Marketing-Mix zu kreieren. Die detaillierten Berechnungen des Verkaufspreises lassen sich einfach übernehmen, anpassen und verfeinern.

So soll diese Arbeit als Gesamtwerk der gesamten (Pferde-)Branche als Anreiz dienen, mit den hofeigenen, zwingend anfallenden Ressourcen noch nachhaltiger umzugehen, diese wiederum einer anderen Branche als wichtige Hilfsstoffe zugänglich zu machen und damit Umsätze und Gewinne zu erzielen.

„Genomische Selektion in der deutschen Reitpferdezucht“

Alexandra Weigt (Bachelorarbeit, Hochschule Osnabrück, Fakultät Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur)

Nachdem die genomische Selektion weltweit in anderen Nutztierrassen Einzug gehalten hat, ergibt sich eine Vielzahl an Möglichkeiten genomischer Anwendungen für die Reitpferdezucht. Diese umfassen nicht nur Verbesserung von Leistungsmerkmalen des heutigen Reitpferdes, sondern auch die Einbeziehung von Gesundheitsmerkmalen in das Zuchtprogramm. Moderne SNP (Single Nucleotide Polymorphism)-Chips als Weiterentwicklung genetischer Marker bieten die Möglichkeiten, genomweit Quantitative Trait Loci (QTL) zu erfassen.

Diese Arbeit bietet einen Überblick über die Möglichkeiten und den bisherigen Stand der Implementierung genomischer Verfahren in der Reitpferdezucht. Die Pferdezucht unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Nutztierzucht im eigentlichen Sinne. Sie ist gekennzeichnet durch kleinere Bestands- bzw. Populationsgrößen. Dies erschwert die Sammlung großer, objektiv erfasster Datensätze als Grundlage für eine Lernstichprobe.

Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzung sind wichtige Bestandteile des Pferdezuchtprogramms. Die Erfassung von Merkmalen bei Zuchtleistungsprüfungen wurde in allen deutschen Pferdezuchtverbänden mithilfe der linearen Beschreibung optimiert. Die Verwendung der Linearskalen erhöht die Objektivität der erfassten Daten (Duensing et al., 2014). Objektiv erfasste Merkmalsdaten sind die Grundlage für die Erstellung einer Referenzstichprobe. Eine ausreichend viele Tiere umfassende Referenzstichprobe ist die Basis für die Implementierung der genomischen Selektion in einem Zuchtprogramm.

Genomische Verfahren können vielfältig eingesetzt werden. Die Verwendung von SNP-Daten ist möglich bei Tieren mit und ohne Eigen- oder Nachkommenleistungen, woraus sich verschiedene Selektionsszenarien ergeben. Die entscheidenden Vorteile der genomischen Selektion sind die erhöhte Genauigkeit der Zuchtwerte im Vergleich zu konventionellen Zuchtwerten und die Verkürzung des Generationsintervalls. Beide Vorgänge führen zu einer Erhöhung des Zuchtfortschritts. Das größte Potenzial zur Erhöhung des Zuchtfortschritts birgt die genomische Selektion junger Pferde ohne Eigen- und Nachkommensleistungen (Haberland, 2013). Ein weiteres Anwendungsgebiet genomischer Verfahren ist die Selektion auf Gesundheitsmerkmale in der Pferdezucht. Auch hier werden mit einer zentralen Gesundheitsdatenbank für Pferde Strukturen entwickelt, die Möglichkeiten zur Erweiterung der bisherigen Anwendungen bieten.

Die Implementierung genomischer Anwendungen in der Zuchtpraxis ist nur möglich, wenn Synergieeffekte der bestehenden Strukturen genutzt werden können. Wichtige Grundlagen für die GS sind mit der Einführung der linearen Beschreibung und der Gesundheitsdatenbank für Pferde geschaffen worden. Die Einführung neuer Technologien verläuft, bedingt durch die individuelle Struktur der Pferdezucht, langsamer als bei anderen Tierarten. Die Grundlagen für die Einführung der genomischen Selektion werden aber von Zuchtverbänden und der Wissenschaft geschaffen.

„Einsatz der RollArt® Faszientherapie am Pferd –Untersuchungen zur Verdauung des Pferdes mit einer potenziellen Behandlungsstrategie via Head’scher Zonen“

Anna Stina Wiechel (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Alternative Behandlungsmethoden finden bei Pferdebesitzern immer mehr Zuspruch, so z.B. auch die RollArt® Faszienrolle, welche als Hilfsmittel für die Faszienmassage verwendet werden kann. Darüber hinaus könnte die Rolle auch zur Unterstützung bei der Stimulation von Head’schen Zonen, also Hautzonen mit nervaler Verbindung zu bestimmten Organen und Körperstellen, verwendet werden. Ziel dieser Studie ist es herauszufinden, ob das Stimulieren der Head’schen Zonen mit der RollArt® Faszienrolle eine Veränderung in den zugehörigen Organen bewirkt. Dabei beschränkt sich diese Arbeit ausschließlich auf die sechs Head’schen Zonen des Verdauungstraktes.

Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde ein Versuch durchgeführt. Bei den Probanden handelte es sich um sechs klinisch allgemeingesunde Pferde. Es wurden die festgelegten Head’schen Zonen viermal innerhalb von zehn Tagen mit der Faszienrolle massiert. Dabei wurde nach einem standardisierten Behandlungsmuster vorgegangen und jede Head’sche Zone sechs Minuten lang stimuliert. Um die Verdauung der Versuchspferde beurteilen zu können, wurden täglich Messungen der Darmperistaltik und der Kotabsatzhäufigkeit durchgeführt und eine Beurteilung der Beschaffenheit der Faeces vorgenommen.

Die Ergebnisse der Forschung haben gezeigt, dass sich nach einer Behandlung mit der Faszienrolle auf die festgelegten Head’schen Zonen die Verdauung der Pferde verändert hat. Die Studie ergab, dass sich die Darmmotilität der Pferde an den Behandlungstagen nach der Behandlung im Vergleich zu vor der Behandlung signifikant um ein Darmgeräusch gesteigert hat. Ebenso zeigte sich signifikant ein Darmgeräusch mehr an den Behandlungstagen nach der Behandlung, als an den Pausen- und Nullprobentagen. In Bezug auf die durchschnittliche Anzahl der Darmgeräusche eines klinisch allgemeingesunden Pferdes ergibt das eine Steigerung der Darmperistaltik um zehn bis 20 Prozent.

Durch eine Behandlung bestimmter Head’scher Zonen mit der RollArt® Faszienrolle kann man die Darmmotilität fördern. Dies ist besonders interessant in Hinblick auf die Problematik von Darmkoliken, welche noch immer eine große Problematik in der Pferdegesundheit darstellen. Weitere Studien sind notwendig, um die Wirkung von nicht-invasiven Behandlungen auf die Head’schen Zonen zu erforschen.

„Umgestaltung und Optimierung der Boxengröße und -anzahl des Reitervereins Nürtingen“

Laura Wolber (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Agrarwirtschaft, Volkswirtschaft und Management)

Viele Pferdebetrieb stehen heutzutage vor dem Problem, dass die Boxenmaße der alten Stallgebäude nicht mehr richtlinienkonform sind. Dadurch wechseln viele Pferdebesitzer in Betriebe mit modernen Stallungen und artgerechteren Pferdeboxen. In der vorliegenden Arbeit wird anhand des Praxisbetriebes Reiterverein Nürtingen die notwendige Optimierung und Umgestaltung der bisherigen Boxengröße und -anzahl sowie eine Erweiterung durch einen neuen Stalltrakt geplant. Es entsteht eine Veränderung von 30 bisherigen kleinen Boxen im bestehenden Stalltrakt auf 22 große Boxen inklusive eine Erweiterung der Paddocks vor fast allen Boxen. Die bisher bestehenden Außenboxen werden in ein neues Stallgebäude ausgegliedert, das insgesamt Platz für zehn Boxen bietet, davon fünf als Paddockboxen.

Durch diese Umbaumaßnahme entsteht trotz der sechs erweiterten Boxen im neuen Stallgebäude ein Gesamtverlust von zwei Boxen. Dieser kann jedoch durch die höheren Mieteinnahmen aufgrund den neuen Paddocks vor den Boxen und der hohen Deckungsbeiträge der erweiterten Boxen fast vollständig ausgeglichen werden.

Zusätzlich werden in dieser Arbeit die Investitionskosten der Baumaßnahme in Höhe von 173.717 € erhoben und in einer wirtschaftlichen Kostenberechnung den Leistungen gegenübergestellt. Dabei wird errechnet, dass der Deckungsbeitrag der Pensionspferdehaltung nach dem Umbau eine Erhöhung von 3.673 € aufweisen kann und ein jährlicher operativer Cashflow von 73.385 € erzielt wird.

Daraus folgt das Ergebnis, dass sich die Investition in eine Vergrößerung der Boxen nach Tierschutzrichtlinien und in die Erweiterung eines neuen Stallgebäudes auf lange Sicht lohnt. Die Investition amortisiert sich nach einer Dauer von zwei Jahren durch die jährlichen Einzahlungsüberschüsse. Zudem wird festgestellt, dass gravierende Arbeitszeit- und Kosteneinsparungen entstehen, wenn Vorgänge im Betrieb mechanisiert und automatisiert werden.

Somit kann zum Umbau der Stallungen geraten werden, um den Wechsel der Pferdebesitzer in moderne, artgerechtere Ställe zu verhindern. Zudem wird mit dem Umbau möglichen Anzeigen beim Tierschutzamt aufgrund nicht artgerechter Pferdehaltung vorgebeugt.

 


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