GWP-Förderpreisträgerin 2022, Marja-Liisa Solterbeck GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2022

Marja-Liisa Solterbeck (Masterarbeit Georg-August-Universität Göttingen, Studiengang Agrarwissenschaften, Abteilung Functional Breeding)

„Untersuchungen zur wettbewerbsorientierten Integration linearer Exterieur- und Leistungsmerkmale in das Zuchtprogramm des Holsteiner Verbandes“

Als Warmblutpferdezuchtverband steht man mittlerweile nicht mehr ausschließlich in einem nationalen, sondern auch internationalen Wettbewerb um Mitglieder und Zuchttiere. Der Holsteiner Verband war der erste deutsche Zuchtverband, der die Lineare Beschreibung, ein Exterieurbeurteilungsverfahren, einführte. Ziel der eingereichten Arbeit war es, anhand vorhandener Literatur die mögliche Integration einer ZWS für Linearmerkmale in das Zuchtprogramm des Holsteiner Verbandes zu bewerten sowie Merkmale zu identifizieren, die für eine solche ZWS geeignet sind.

Dafür standen insgesamt 13.561 Linearprofile von Fohlen und Adultpferden zur Verfügung, mit denen erstmalig genetisch-statistische Parameteranalysen linearer Exterieur- und Leistungsmerkmale für das Holsteiner Warmblut durchgeführt wurden. Es wurden sowohl lineare Ein- als auch Mehrmerkmals-Tiermodelle angewendet. Unter Einbeziehung von mindestens vier Ahnengenerationen fanden die fixen Effekte Alter, Termin (Ort×Datum), Geschlecht (ausschließlich bei den Fohlen) und Vorstellungsart (ausschließlich bei den Adultpferden) Berücksichtigung. Die Merkmale wurden jeweils univariat (N = 91) sowie inhaltlich übereinstimmende Merkmale auch multivariat (N = 19) geschätzt.

Aufgrund des bedeutend größeren Informationsgewinns durch eine multivariate Schätzung gegenüber einer univariaten, sind die Ergebnisse der multivariaten Schätzläufe von besonderer Wichtigkeit im Hinblick auf eine ZWS. Sie führten in den meisten Fällen zu leicht höheren Heritabilitätsschätzwerten im Vergleich zu der univariaten Analyse. Es ergaben sich Schätzwerte zwischen h2 < 0,001 (Hinterfuß Einschienung) und 0,369 (Kopfform), sowie ausschließlich positive additiv-genetische Korrelationen.

Bei der Auswahl von Merkmalen für eine ZWS wurde sich zunächst an der Methodik des Oldenburger Verbandes orientiert, der seit 2018 eine ZWS für Linearmerkmale publiziert. Demnach können Merkmale aufgenommen werden, die eine geschätzte Heritabilität h2 ≥ 0,1 aufweisen. Auf dieser Grundlage können sieben bivariat geschätzte Exterieurmerkmale für eine ZWS empfohlen werden. Darüber hinaus können zehn univariat geschätzte Bewegungs- und sieben Springmerkmale der Adultpferde berücksichtigt werden. Die Empfehlung zur Aufnahme weiterer Merkmale wurde argumentativ gestützt, die genaue Anzahl hängt von den Anforderungen ab, die der Holsteiner Verband an die Datengrundlage und Merkmale stellt.

Kurzbiografie

  • Geboren am 16. Juli 1992 in Kiel
  • 2011 Abitur in Eckernförde
  • 2017 Bachelor of Science (B.Sc.) Agrarwissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität Kiel
  • 2021 Master of Science Agrarwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen
  • Auslandsaufenthalte in Großbritannien und Neuseeland
  • Aktive Jungzüchterin im Holsteiner Verband
  • Turniererfolge in der Dressur bis Kl. M
  • 2022 Festanstellung beim Holsteiner Verband in der Abteilung Stutbuch

Marja-Liisa Solterbeck
… ihr persönlicher Bezug zum Pferd

Sobald ich sprechen und halbwegs Sätze bilden konnte, hieß es „Opa Pferde gehen“. Woher diese Faszination genau kommt, ist unbekannt, aber sie ist bis heute ungebrochen. Ohne die Pferde wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin. Sie bringen einem so viel bei und prägen den Charakter. Ich bin unendlich dankbar, dieses Hobby ausüben zu können und sogar beruflich mit Pferden zu tun zu haben. 

… was sie bewogen hat, das Thema Pferd auch zu Ihrem beruflichen Schwerpunkt zu machen
Mit 14 Jahren bekam ich einen Holsteiner Wallach. Sein ehrlicher, liebenswerter Charakter, sein Talent und seine Arbeitseinstellung haben mich zu einem überzeugten Holsteiner-Fan gemacht, weshalb es seither mein Traum war, eines Tages beim Holsteiner Verband zu arbeiten. Daher wählte ich das Agrarstudium, arbeitete als studentische Hilfskraft im Kieler Büro und schrieb meine Bachelor- sowie Masterarbeit in Zusammenarbeit mit dem Holsteiner Verband. 

… welcher Aspekt sie besonders am Thema ihrer Arbeit fasziniert
Mir war es wichtig, ein möglichst praxisrelevantes Thema zu finden. Durch meine Bachelorarbeit war ich bereits mit dem Thema Lineare Beschreibung vertraut und hatte große Lust, mein Wissen in diesem Bereich zu vertiefen. Die Lineare Beschreibung ist für mich persönlich eine absolut notwendige Weiterentwicklung der Pferdebeurteilung. Sie kann eine großartige Hilfe bei Anpaarungsentscheidungen sein und liefert wertvolle Informationen zur Vererbungsleistung eines Hengstes. Ich hoffe, dass ihr Potential von vielen weiteren Verbänden (und Züchtern) erkannt und die gesammelten Daten sinnvoll genutzt werden, um weiterhin talentierte, aber vor allem gesunde und leistungsfähige Pferde zu züchten. 


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