GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2026 / Neues aus der Pferdeforschung
Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd (GWP) hat 2026 drei Dissertationen ausgezeichnet und im Deutschen Pferdemuseum Verden die Siegerin und die Prämierten präsentiert. Hier ist die Zusammenfassung der prämierten Dissertation von Paula Reich. Die GWP, die Fachjury und die Förderpartner gratulieren herzlich!
„Anwendung imputierter Sequenzlevel-Genotypen in genomischen Analysen beim deutschen Warmblutpferd“
Paula Reich (Dissertation, Georg-August-Universität Göttingen, Fakultät für Agrarwissenschaften)
Genomische Studien lassen sich auf der Grundlage von Daten unterschiedlicher Dichte durchführen. Dabei steigt mit zunehmender Datendichte der Informationsgehalt, aber auch die Kosten zur Erzeugung der jeweiligen Daten. In diesem Zusammenhang stellt die Genotyp-Imputation eine kostengünstige Alternative dar, um den Informationsgehalt genomischer Daten zu erhöhen und somit die Leistungsfähigkeit von Studien zu steigern, indem nicht direkt erfasste Genotypen anhand ihres genomischen Kontextes vorhergesagt werden.
Da diese Methode bei Pferden bislang verhältnismäßig wenig Anwendung fand und essenzielle Voraussetzungen, wie ein umfassendes Referenzpanel sequenzierter Pferde, fehlten, umfasste das erste Ziel der Dissertation die Implementierung und Optimierung der Genotyp-Imputation bei Warmblutpferden. Zu diesem Zweck wurde zunächst ein Referenzpanel aus sequenzierten Pferden unterschiedlicher Rassen erstellt und anschließend der Einfluss verschiedener Faktoren auf die Genauigkeit der Genotyp-Imputation untersucht. Auf dieser Grundlage wurde dann eine optimale, d. h. möglichst genaue, Strategie zur Imputation entwickelt, die anschließend zur Imputation einer Kohorte von rund 5.000 deutschen Warmblutpferden auf Sequenzebene genutzt wurde.
Der imputierte Datensatz wurde anschließend als Grundlage zur Durchführung verschiedener genomischer Analysen verwendet. Dazu gehörte die Identifizierung von Genomregionen, die mit dem Exterieur der Pferde assoziiert waren, einem wichtigen Selektionsmerkmal in der Pferdezucht. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Untersuchung des Stockmaßes, das außerdem als Referenzmerkmal zur Validierung der Daten und Methodik diente. Für dieses konnte insbesondere eine assoziierte Genomregion auf dem Chromosom 3 identifiziert werden, die einen relativ großen Anteil der phänotypischen Varianz des Stockmaßes erklärte und auch mit mehreren anderen Exterieurmerkmalen assoziiert war. Durch die genauere Untersuchung dieser Genomregion konnten einige potenzielle Kausalmutationen identifiziert werden, wobei eine Variante im LCORL-Gen von besonderem Interesse war.
Insgesamt gesehen trägt die Dissertation somit zur Optimierung der Genotyp-Imputation bei Pferden bei und leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung des bislang eher unzureichend untersuchten genomischen Hintergrundes des Exterieurs und insbesondere des Stockmaßes beim Pferd.
Über Paula Reich
… ihr persönlicher Bezug zum Pferd
Meinen ersten Pferdekontakt hatte ich ganz klassisch bereits im Grundschulalter beim Reitunterricht auf etwas eigenwilligen Shetlandponys. Viel größer und weniger zottelig wurden die Pferde, mit denen ich am liebsten meine Zeit verbrachte, auch später nicht: Islandpferde. Im Laufe der Jahre begann ich, mich vermehrt auch auf wissenschaftlicher und beruflicher Ebene mit Pferden auseinanderzusetzen. Sie bildeten sowohl den Kern meines Masterstudiums als auch den thematischen Schwerpunkt meiner Promotion und meiner anschließenden Postdoc-Tätigkeiten. In diesem Rahmen wurden zumindest die am Bildschirm analysierten Pferde – diesmal Warmblüter – dann doch noch größer, während sich das Stockmaß passenderweise zu einem wichtigen Forschungsschwerpunkt entwickelte. Trotzdem sind mir die kleinen, zotteligen Isländer bis heute am liebsten – und am allerliebsten in ihrem Heimatland.
… was sie bewogen hat, das Thema Pferd auch zu ihrem beruflichen Schwerpunkt zu machen
Schon seit Längerem wecken neben dem rein freizeitlichen Umgang mit dem Pferd auch verschiedene wissenschaftliche Aspekte mein Interesse, insbesondere in Bezug auf Zucht und Genetik. Als sich im Anschluss an mein Masterstudium die Gelegenheit ergab, im Bereich der Pferdegenomik zu promovieren, ergriff ich folglich diese Chance. In den folgenden Jahren setzte ich mich intensiv mit genomischen Methoden und dem genetischen Hintergrund verschiedener zuchtrelevanter Merkmale beim Pferd auseinander. Auch im Rahmen meiner derzeitigen Postdoc-Stelle befasse ich mich weiterhin schwerpunktmäßig mit verschiedenen Aspekten der Genomik beim Pferd.
… welcher Aspekt sie besonders am Thema ihrer Arbeit fasziniert
Besonders reizvoll ist für mich die Erschließung des bisher häufig nicht ausgeschöpften Potenzials der Genomik in der Pferdezucht. Verschiedene genomische Methoden und Ressourcen, die bei anderen Spezies wie dem Rind bereits gut etabliert sind, haben bislang nur begrenzten Einzug in die Pferdezucht gehalten, obwohl sie auch hier großes Potenzial versprechen. Insbesondere die eingeschränkte Verfügbarkeit und Zugänglichkeit genomischer Daten stellt dabei eine große Herausforderung dar. Ein außergewöhnlich umfangreicher Datensatz von Warmblutpferden eröffnete mir jedoch die Möglichkeit, verschiedene genomische Analysen mit einer für Pferde ungewöhnlich großen Stichprobengröße durchzuführen. Dies ermöglichte unter anderem die umfassende Analyse des Stockmaßes – ein Merkmal von großer Bedeutung in der Pferdezucht und seither mein wissenschaftliches Steckenpferd.
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