Ein Leben mit Pferden und für Pferde: Dr. Ludwig Christmann, Hannoveraner Verband Experten im Fokus

von Michaela Weber-Herrmann/GWP

Man kann nur schätzen, wie viele Stunden Dr. Ludwig Christmann pro Jahr in Flugzeugen, in Zügen oder im Auto zubringt – es müssen viele sein. Zumindest die Tage, die er im vergangenen Jahr im Ausland unterwegs war, hat er mal gezählt: 100 waren es, dazu kamen eine ganze Reihe Veranstaltungen im Inland. „Aber das ist nicht die Regel, das war relativ extrem, zu dieser Bilanz trug auch eine längere Reise nach Australien und Neuseeland bei“, schränkt er ein. Der Grund für diese rege Reisetätigkeit liegt auf der Hand: Der Zuchtexperte ist Leiter der Abteilung „Zucht international“ des Hannoveraner Verbandes. Der sitzt zwar bekanntlich in Verden, agiert aber nahezu weltweit. Außerdem ist die Organisation der gefragten Seminare des Verbandes bei ihm angesiedelt – nebenbei bemerkt ist er selbst gefragter Referent – und nicht zuletzt gehört er der Zuchtleitung des weltweit größten Warmblutzuchtverbandes an.

Der geschätzte Zuchtexperte, der 1956 in Pirmasens geboren  wurde, also Pfälzer ist, ging auch beruflich einen geradlinigen Weg und stellte die Weichen früh: Sein Studium der Tierzucht, das er 1981 erfolgreich abschloss, absolvierte er an den Universitäten von Gießen und Göttingen, seit 1984 arbeitet er für den Hannoveraner Verband. Er war lange Jahre Stellvertretender Zuchtleiter, und viele Projekte des Hannoveraner Verbandes tragen seine Handschrift, wurden von ihm mitinitiiert und begleitet: die Jungzüchter-Initiative des Hannoveraner Verbands zählt ebenso dazu wie das Springpferdeprogramm, das Forschungsprojekt zur OCD, oder die Marketing-Offensive des Verbands unter dem Slogan „Hannoveraner erleben“. In seiner Dissertation, die er  1996 abschloss, beschäftigte er sich mit dem Thema Zuchtwertschätzung.

Und als wären das nicht genug Facetten eines beruflichen Spektrums – auch von Öffentlichkeitsarbeit versteht Dr. Ludwig Christmann viel. Nicht nur, dass schon vor seiner Tätigkeit für den Verband 1982 vielbeachtete Artikel von einem neunmonatigen Aufenthalt in den USA und Kanada veröffentlicht wurde, in den ersten Jahren seiner Verbandszugehörigkeit gehörte auch die Redaktionsleitung der Mitgliederzeitschrift „Hannoversches Pferd“, später des Magazins „Der Hannoveraner“ zu seinen Aufgaben. Und seit 1999 ist ihm das „Hannoveraner Jahrbuch Hengste“ zu verdanken – längst ein Standardwerk der Pferdezucht.

Mit all diesen Facetten ist Ludwig Christmann die Idealbesetzung für den Posten des GWP-Vorsitzenden. Auch wenn man sich fragt, warum er, der so viel beschäftigt ist, auch dafür engagiert. Die Antwort gibt er selbst: „Die GWP hat sich auf die Fahne geschrieben, ein Bindeglied zwischen Forschung und Praxis zu sein. Dieser Wissenstransfer, von dem letztendlich das Pferd profitiert, ist mir wichtig“, erklärt er. Er ist, auch wenn er das mit der ihm eigenen Zurückhaltung nicht sagt, in beiden Themenfeldern zu Hause, in der Forschung und in der Praxis. Beim Hannoveraner Verband ist er, neben all den anderen Punkten auf seiner Expertise, auch der Ansprechpartner für Forschungsprojekte.

Und die Praxis? Die erlebt er nicht nur in seinem Beruf, er lebt sie auch. Pferde gehören zur Familie. Christmann, der sich selbst einen „Hobbyreiter mit Faible fürs Wanderreiten“ nennt, aus Zeitgründen aber verständlicherweise derzeit nicht in den Sattel steigt, hat zwei Rentnerpferde am Haus stehen. Wenn er unterwegs ist, versorgt sie seine Frau.

Apropos Familie. Auf drei Töchter dürfen Ludwig Christmann und seine Frau Maria stolz sein: Anna ist praktizierende Tierärztin mit Schwerpunkt Pferd, und Meta, die jüngste Christmann-Tochter, hat bei Susanne Miesner in Warendorf ihre Bereiterlehre absolviert und studiert aktuell BWL in Göttingen  – beste Voraussetzungen für Jobs in der Pferdebranche also. Beide Töchter haben je eine Stute von zu Hause mitgenommen und sind aktive Reiterinnen – wie Dr. Ludwig Christmann sagt: „Ganz ohne Pferde geht es bei uns nicht.“ Und die dritte Tochter, Lisa, die Älteste des Trios, lebt in Australien. Sie hat eine kleine Tochter, das erste Enkelkind der Christmanns. – Ein Grund mehr, unterwegs zu sein.

 

 

 


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