GWP-Förderpreisträger 2022, Martin Swoboda GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2022

Martin Swoboda (Dissertation, Tierärztliche Hochschule Hannover)

„Der Einfluss sportlicher Nutzung auf die Kopf- und Maulgesundheit bei Reitpferden: Bestandsaufnahme und Auswertung pathologischer Befunde des Kopfes und der Gebisslage sowie Entwicklung eines Prototyps eines Bewertungsbogens für den Turniertierarzt“

Ziel der vorliegenden Dissertation war zum einen die Schaffung einer objektiven und aussagekräftigen Datengrundlage hinsichtlich der Prävalenz, der Art und der Beschaffenheit reitsportinduzierter pathologischer Befunde am Kopf und in der Gebisslage bei Reitpferden, die Erfassung der Befundverteilung auf die anatomischen Strukturen und die Überprüfung möglicher individualspezifischer und nutzungsbedingter Einflussfaktoren auf die Ergebnisse.

Zum anderen sollte im Rahmen dieser Arbeit ein Prototyp eines für den Turniertierarzt geeigneten Bewertungsbogens entwickelt werden. Dieser sollte eine objektive, einheitliche und vollständige Erfassung und Bewertung der Befunde und damit auch eine Bewertung bzw. Kategorisierung der Pferde und in der Folge das Aussprechen einer Empfehlung an den verantwortlichen Richter bezüglich der zu erteilenden oder zu verweigernden Starterlaubnis ermöglichen.

Beschränkt sich die Betrachtung auf die tierschutzrelevanten Befunde, betrug die Prävalenz 35,8 %, die betroffenen Pferde wiesen durchschnittlich 1,8 Befunde auf. Bei Einbeziehung auch sekundär verheilter Befunde betrug die Prävalenz 47,1 %, die durchschnittliche Befundhäufigkeit betroffener Pferde 2,2. Bei beiden Betrachtungsweisen wurden maximal 6 Befunde je Einzeltier festgestellt.

Erosionen nahmen hierbei den größten Anteil ein (32,4 %), gefolgt von Ulzera (17,8 %), De-/Hyperpigmentierung (16,7 %), Narben (10,7 %) und Exostosen (10,3 %). Die meisten Befunde (32,3 %) wurden im Bereich der Maulwinkel, 29,6 % an den Wangeninnenseiten (zwischen den Maulwinkeln und dem Bereich der ersten Backenzähne) und 18,5% am Unterkiefer im Bereich der Laden unmittelbar rostral der ersten Backenzähne dokumentiert.

Anhand der Bonitur wurden 37,3 % der Befunde als Befunde ohne zu erwartende Relevanz, 25,8 % als geringgradige, 18,1 % als mittelgradige und 18,9 % als hochgradige Befunde eingeschätzt und die untersuchten Pferde zu 66,0 % der Kategorie „Grün“, 20,1 % der Kategorie „Gelb“ und 13,9 % der Kategorie „Rot“ zugeordnet.

Während Alter, Geschlecht, Nutzungsrichtung und Leistungsniveau teils eine hoch signifikante Ungleichverteilung der Ergebnisse verursachten und somit wesentliche Einflussfaktoren darstellen, konnte dieser Zusammenhang bei der Betrachtung der Anlage und des Status der Wolfs- und Hengstzähne nicht oder nur sehr eingeschränkt festgestellt werden.

Der im Rahmen dieser Dissertation entwickelte Befundbogen in abgewandelter Form und die Bonitur wurden zusammengefügt und wie oben beschrieben zu einem Prototyp eines Bewertungsbogens für den Turniertierarzt erweitert.

Dieser ermöglicht neben der detaillierten und systematischen Erfassung und Bewertung der Befunde und der Kategorisierung der Pferde auch eine standardisierte Empfehlung hinsichtlich der zu erteilenden (Kategorien „Grün“ und „Gelb“) oder zu verweigernden (Kategorie „Rot“) Starterlaubnis. Zur Nutzung des Bewertungsbogens im Rahmen der tierärztlichen Turnierkontrolle ist neben einer weiteren Testphase und Überprüfung bzw. Diskussion der einzelnen Parameter dessen Erweiterung auf alle anatomischen Strukturen notwendig, an denen potentiell reitsportinduzierte Befunde auftreten können. Zum anderen scheint eine Digitalisierung zur einfacheren Anwendung und systematischeren Auswertung der gewonnenen Daten sinnvoll. Hierfür wurde der Entwurf einer App entwickelt.

Kurzbiografie

  • Geboren am 7. Dezember 1983 in Karlsruhe
  • 2003 Abitur in Augsburg
  • 2004 bis 2006 Ausbildung zum Pferdewirt, Schwerpunkt Reiten, auf dem Betrieb Ramsbrock, Menslage
  • 2007 bis 2016 Bereiter auf dem Grönwohldhof und im Dressurstall Bramall & Dusche
  • 2009 bis 2016 Studium der Veterinärmedizin an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
  • 2016 bis 2018 Assistenzarzt im Tierärztlichen Kompetenzzentrum Karthaus
  • Seit 2019 Assistenzarzt in der Pferdeklinik Nindorf (Lüneburger Heide)

Martin Swoboda
… sein persönlicher Bezug zum Pferd
Der Pferdesport begleitet mich schon seit meiner Kindheit.

… was ihn bewogen hat, das Thema Pferd auch zu seinem beruflichen Schwerpunkt zu machen
Vor meiner „Zweitkarriere“ als Tierarzt habe ich zunächst eine Bereiterlehre im Stall Ramsbrock in Menslage absolviert und vor und während meines Studiums als Berufsreiter in Dressurausbildungsställen (Grönwohldhof, Ausbildungsstall Leonie Bramall und Volker Dusche) gearbeitet. Dabei lag mein Schwerpunkt auf der Ausbildung junger Pferde, allerdings konnte ich auch Erfolge bis zur Klasse S vorweisen.

… welcher Aspekt ihn besonders am Thema seiner Arbeit fasziniert
Aufgrund der Tatsache, dass ich sowohl als Reiter wie auch später als Tierarzt im Rahmen der tierärztlichen Betreuung von Pferdesportveranstaltungen mit dem Thema Pferdesport, tiergerechter Ausbildung und Turnierkontrollen konfrontiert war, und da der Reitsport in der Öffentlichkeit ja immer wieder sehr kritisch betrachtet wird, war es mir ein großes Anliegen, mich im Rahmen meiner Dissertation weiter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.


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