GWP-Förderpreis 2026 – prämierte Dissertation: Muriel Sarah Folgmann über eine Gesundheitsdatenbank für Pferde in Deutschland GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2026 / Neues aus der Pferdeforschung

Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd (GWP) hat 2026 drei Dissertationen ausgezeichnet und im Deutschen Pferdemuseum Verden die Siegerin und die Prämierten präsentiert. Hier ist die Zusammenfassung der prämierten Dissertation von Muriel Sarah Folgmann. Die GWP, die Fachjury und die Förderpartner gratulieren herzlich!

„Gesundheitsdatenbank für Pferde in Deutschland – Umfrage zur Etablierung und Nutzungsmöglichkeiten am Beispiel der Köruntersuchungen von Reitpferdehengsten“

Muriel Sarah Folgmann (Dissertation,  Tierärztliche Hochschule Hannover)

Hintergrund:

Der Gesundheitsstatus spielt in der Pferdemedizin und Pferdezucht eine zentrale Rolle, besonders bei Zuchthengsten, deren Genetik auf viele Nachkommen über-tragen wird. Bisher fehlt jedoch eine zentrale, standardisierte und digital erfasste Sammlung von Gesundheitsdaten, die eine wichtige Grundlage für Forschung und Zuchtentscheidungen darstellen könnte.

Zielsetzung:

Ziel dieser Arbeit war es, die Einstellung von Pferdetierärzt*innen zur digitalen Da-tenerfassung und zur Einführung einer zentralen Gesundheitsdatenbank für Pferde zu erfassen sowie die bestehende Datenbank erstmalig für wissenschaftliche Analysen zu nutzen, um den Gesundheitsstatus junger Reitpferdehengste zu untersuchen.

Material und Methoden:

Mittels einer Online-Umfrage wurden die Meinungen deutscher Pferdetierärzt*innen zu Digitalisierung und Datenbanknutzung erfasst. Außerdem wurden die klinischen und röntgenologischen Untersuchungsergebnisse junger Reitpferdehengste, die zwischen 2018 und 2020 zur Körung bei allen deutschen Warmblutzuchtverbänden vorgestellt worden sind, in die bestehende Gesundheitsdatenbank für Pferde ein-gepflegt und anschließend ausgewertet. Neben der Erhebung der Befundprävalenzen wurden die Einflüsse ausgewählter Umweltfaktoren, wie Köralter, Geburtssaison, Jahr der Körung und untersuchende Person, auf die Verteilung der am häufigsten dokumentierten Befunde analysiert.

Ergebnisse:

Der Großteil der befragten Tierärzt*innen arbeitet mit papierbasierten Protokollen, wären aber zu 90,2 % bereit, digitale Versionen zu nutzen. 72,3 % der Teilnehmen-den bewerteten die Einrichtung einer zentralen Datenbank positiv, wobei Bedingungen wie Datensicherheit, Benutzerfreundlichkeit und objektive Datenerhebung genannt wurden.

Bei der klinischen Untersuchung von 1655 Hengsten wurden bei 47 % keine Befunde dokumentiert. Die übrigen Pferde zeigten in der Regel nur einzelne, häufig nicht leistungsrelevante Befunde, am häufigsten in Form von Hautläsionen, Um-fangsvermehrungen oder Abweichungen bei der Hodenuntersuchung.

Röntgenologisch konnten bei 71,4 % der 1678 Hengste Auffälligkeiten festgestellt werden. Hierbei handelte es sich überwiegend um einen oder zwei Befunde, welche am häufigsten in Form von Konturveränderungen am Fesselbein und Röhr-bein, isolierte Verschattungen im Fesselgelenk oder Veränderungen an den Canales sesamoidales des Strahlbeins vorkamen.

Die Verteilungen der klinischen als auch der röntgenologischen Befundhäufigkeiten wurden signifikant durch die untersuchende Person beeinflusst.

Fazit:

Die Arbeit verdeutlicht, dass eine Gesundheitsdatenbank für Pferde ein wertvolles Instrument zur Erfassung des Gesundheitsstatus von Pferden ist, ihre Akzeptanz aber von klaren Regelungen zu Datensicherheit und Objektivität abhängt. Neben der Schaffung einer soliden Datenbasis in der bestehenden Gesundheitsdaten-bank für Pferde zeigt die Arbeit, dass der Großteil der untersuchten Reitpferdehengste klinisch gesund scheint, röntgenologisch jedoch häufiger Befunde aufweist. Eine standardisierte und kontinuierliche Datenerfassung ist allerdings entscheidend, um die Gesundheitsüberwachung der deutschen Pferdepopulation zu verbessern.

Über Muriel Sarah Folgmann

… ihr persönlicher Bezug zum Pferd
Mein persönlicher Bezug zum Pferd ist über viele Jahre gewachsen. Obwohl ich nicht aus einer Reiterfamilie stamme, hatte ich das Glück, von klein auf mit den Pferden und dem Reitsport aufzuwachsen. Diese kontinuierliche Nähe hat mein Verständnis für die Tiere und den Umgang mit ihnen nachhaltig geprägt.

… was sie bewogen hat, das Thema Pferd auch zu ihrem beruflichen Schwerpunkt zu machen
Auch wenn ich zu Beginn meines Tiermedizinstudiums keinen festen beruflichen Schwerpunkt hatte, kristallisierte sich im Laufe der Zeit eine klare Anziehung zur Pferdemedizin heraus. Diese beruhte vor allem auf meiner seit der Kindheit gewachsenen Verbundenheit zur Tierart Pferd. Durch praktische Erfahrungen, unter anderem als studentische Hilfskraft in der Klinik für Pferde der TiHo sowie während des praktischen Jahres in verschiedenen Pferdekliniken und -praxen, ergab sich der Wunsch, ausschließlich die Pferdemedizin zu meinem beruflichen Schwerpunkt zu machen – welcher schließlich in Erfüllung ging.

… welcher Aspekt sie besonders am Thema ihrer Arbeit fasziniert
An meiner Doktorarbeit fasziniert mich besonders der Ansatz des Gesundheitsmonitorings auf Populationsebene. Anders als in der klassischen Einzeltiermedizin wird hier der Gesundheitsstatus einer größeren Pferdepopulation betrachtet, sodass Entwicklungen in der Pferdemedizin und -zucht evidenzbasiert nachvollzogen werden können. Ein besonderer Fokus liegt für mich dabei auf der Integration von Gesundheitsmerkmalen in der deutschen Warmblutzucht – ein Thema, das mir persönlich wichtig ist und dem ich im Alltag als praktizierende Pferdetierärztin tagtäglich begegne. Auch wenn die Ergebnisse dieser Arbeit auf den ersten Blick teilweise bekannten Erfahrungswerten entsprechen mögen, ist es gerade für Praktizierende sehr wertvoll, dass diese auf einer so großen Populationsbasis bestätigt werden konnten. Dadurch entstehen belastbare Einblicke in die häufigsten Befunde junger Reitpferdehengste und zugleich wird ein Grundstein für tiefergehende Projekte gelegt.

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