GWP-Förderpreis 2026 – prämierte Bachelorarbeit: Leonie Merkle über die Verbreitung des West-Nil-Virus in der deutschen Pferdepopulation GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2026 / Neues aus der Pferdeforschung

Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd (GWP) hat 2026 vier Bachelorarbeiten ausgezeichnet und im Deutschen Pferdemuseum Verden die Siegerin und die Prämierten präsentiert. Hier ist die Zusammenfassung der prämierten Bachelorarbeit von Leonie Merkle. Die GWP, die Fachjury und die Förderpartner gratulieren herzlich!

„Analyse der Einflussfaktoren auf die Verbreitung des West-Nil-Virus in der deutschen Pferdepopulation unter Berücksichtigung der Temperatur, der Transportbewegungen und des Vogelzugs“

Leonie Merkle (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Studiengang Pferdewirtschaft)

Mit dem Ausbruch des West-Nil-Virus in Deutschland im Jahr 2018 rückte das ursprünglich aus Afrika stammenden Arbovirus auch in den gemäßigten Breiten verstärkt in den Vordergrund der Veterinärmedizin und stellt auch für Pferde eine wachsende Bedrohung dar, die sich vor dem Hintergrund des Klimawandels und der fortschreitenden globalen Erwärmung in Zukunft weiter intensivieren wird, wobei auch die im Rahmen der Globalisierung auftretenden intensiven Transportbewegungen einen Beitrag zur Verbreitung solcher Arboviren leisten können. Die vorliegende Arbeit untersuchte aus diesem Grund die Rolle von drei Einflussfaktoren für die Zirkulation des West-Nil-Virus in Deutschland unter Berücksichtigung der Temperatur, der Transportbewegungen von Pferden und des Vogelzugs. Dafür wurde neben einer umfassenden Darstellung des gegenwärtigen Forschungsstandes eine Analyse des Infektionsgeschehens in drei Phasen durchgeführt.  Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere hohe Temperaturen im Frühjahr durch ihren positiven Einfluss auf die Vektoren und die Zugvögel die Zirkulation des West-Nil-Virus in Deutschland fördern, während extreme Winterkälte die Etablierung eines autochthonen Übertragungszyklus deutlich und nachhaltig hemmen kann und Temperaturen im Sommer vor dem Hintergrund der fortschreitenden globalen Erwärmung eine zunehmende Bedeutung für das Infektionsgeschehen einnehmen werden.

Das Ergebnis unterstreicht die Notwendigkeit, klimatische Veränderungen der Temperatur sowie das Zusammenspiel verschiedener klimatischer Temperaturparameter verstärkt in epidemiologische Risikoabschätzungen einzubeziehen und gezielte Präventionsmaßnahmen in Abhängigkeit der regionalen Bedingungen umzusetzen. Dabei sollte insbesondere in europäischen Ländern mit bereits ausgeprägter Viruszirkulation eine verstärkte Untersuchung erfolgen, um belastbare und statistisch aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

Über Leonie Merkle

… ihr persönlicher Bezug zum Pferd
Ich komme aus einer Familie, in der wirklich niemand etwas mit Pferden zu tun hat, daher ließen die ersten Reitstunden aus der Perspektive der 8-jährigen Leonie etwas auf sich warten. Die Leidenschaft zum Pferd hatte ich aber von Anfang an: Als Kind türmten sich in meinem Zimmer Schleichpferde über Pferdekalender und mein Highlight waren natürlich die Reiterferien in den Sommerferien. Die Pferde waren für mich aber immer nur ein Hobby, bis ich nach meinem Abitur ein Jahr in Frankreich auf einem Reiterhof verbrachte, wo ich entdeckte, dass Pferde vielleicht auch Teil meines Berufes werden sollen.

… was sie bewogen hat, das Thema Pferd auch zu ihrem beruflichen Schwerpunkt zu machen
Maßgebend dafür war tatsächlich mein Auslandsjahr in Frankreich, wo ich realisierte, dass mir nicht nur das Reiten an sich, sondern auch die Arbeit rund um das Pferd einschließlich aller organisatorischen, gestaltenden und menschlichen Aufgaben sehr viel Freude bereitet. In meinem Masterstudium aktuell konzentriere ich mich allerdings auf die Agrarwissenschaften, um meinen Horizont noch zu erweitern und habe daher aktuell nicht mehr so viel Kontakt zum Pferd.

… welcher Aspekt sie besonders am Thema ihrer Arbeit fasziniert
Ganz besonders spannend empfinde ich die Vielschichtigkeit des Themas. Im Prinzip scheint es vordergründig um die Gesundheit des Pferdes zu gehen, aber denkt man größer, geht es auch um die Gesundheit unseres Planeten, denn das West-Nil-Virus kann durchaus als Folge des Klimawandels gesehen werden. Auch wenn wir hier in Deutschland im Vergleich zu anderen Regionen der Welt aktuell noch in geringerem Maße von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, so sind es doch solche klein erscheinenden Themen, die uns vor Augen führen, dass es uns vielleicht auch schon heute etwas angeht, wie wir mit unserem Planeten umgehen.

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