GWP-Förderpreis 2026 – prämierte Masterarbeit: Lia Maria Naundorf über Zügelkraft und Pferdeverhalten bei gerittenen Pferden GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2026 / Neues aus der Pferdeforschung

Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd (GWP) hat 2026 zwei Masterarbeiten ausgezeichnet und im Deutschen Pferdemuseum Verden die Siegerin und die Prämierte präsentiert. Hier ist die Zusammenfassung der prämierten Masterarbeit von Lia Maria Naundorf Die GWP, die Fachjury und die Förderpartner gratulieren herzlich!

„Zusammenhang zwischen Zügelkraft und Pferdeverhalten bei gerittenen Pferden in Schritt, Trab und Galopp“

Lia Maria Naundorf (Masterarbeit, Universität Rostock, Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät)

Für die Untersuchung standen elf Pferde zur Verfügung, die von zwei ihnen gut bekannten Berufsreiterinnen in einer vorgegebenen Dressuraufgabe geritten wurden. Die Pferde waren altersentsprechend auf höchstem Niveau ausgebildet. Mithilfe von Zügelkraftsensoren (IPOS), die an beiden Zügeln befestigt waren, sowie ergänzenden Videoaufnahmen wurden mögliche Zusammenhänge analysiert. Dazu wurden die gewonnen Daten in den „Observer“ importiert und anhand eines vorgefertigten Ethogramms das Verhalten und weitere Parameter, wie die Kopf-Hals-Position (HNP), Gangart u.a. annotiert. Weiterhin erfolgte eine deskriptive Statistik und die Modellberechnung mithilfe eines linearen gemischten Modells und einer ANOVA. Es zeigte sich eine mittlere Zügelspannung von 6,4 N ± 5,9 N, der Maximalwert aller Zügelkräfte lag bei 66,24 N und der Minimalwert bei 0 N. Der Mittelwert der Maximalkräfte lag bei 13,7 ± 8,7 N. Es konnte gezeigt werden, dass die Faktoren HNP (p < 0,001), Reiter (p < 0,01) und Gangart (p < 0,001) einen signifikanten Einfluss auf die Zügelkräfte haben. Zudem zeigte sich, dass mit steigenden Zügelkräften signifikant häufiger Konfliktverhalten in Form von ungewöhnlichem oralem Verhalten auftrat (p < 0,001). Schweifschlagen erwies sich statistisch als nicht signifikant, weiteres Konfliktverhalten wurde in dieser Stichprobe nicht beobachtet. Darüber hinaus wurde ein signifikanter Einfluss der Gangart auf die Amplituden festgestellt (p < 0,001). Die Höhe der Amplituden selbst hatte jedoch keinen Einfluss auf das ungewöhnliche orale Verhalten. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass der Reiter einen signifikanten Einfluss auf die Höhe und das Muster der Zügelkräfte hat und dass Kraftspitzen vom Pferd im Maul wahrscheinlich als unangenehm empfunden werden – auch wenn die hier gemessenen Kräfte im Vergleich zur Literatur niedrig ausfielen. Generell folgt nach diesen Ergebnissen die Empfehlung die Zügelkräfte in der Reitpraxis so gering wie möglich zu halten mit dem übergeordneten Ziel, das Wohlbefinden der Pferde im Reitsport nachhaltig zu sichern.

Über Lia Maria Naundorf

… ihr persönlicher Bezug zum Pferd
Meine Oma hat mich im Alter von acht Jahren gefragt, ob ich einmal reiten gehen möchte. Seit diesem Moment begleiten mich Pferde durch mein Leben und sind daraus nicht mehr wegzudenken.

… was sie bewogen hat, das Thema Pferd auch zu ihrem beruflichen Schwerpunkt zu machen
Pferde sind meine Leidenschaft. Es gibt kein anderes Thema, das über einen so langen Zeitraum hinweg eine derart große Präsenz in meinem Leben hat. Das Tierwohl spielte für mich schon immer eine zentrale Rolle und hat maßgeblich dazu beigetragen, meinen beruflichen Weg in diesem Bereich einzuschlagen. Die Arbeit mit Pferden ist für mich ein ständiger Lernprozess, der Respekt, Geduld und Feingefühl erfordert. Genau diese Kombination macht das Thema für mich so besonders und erfüllt mich sowohl persönlich als auch beruflich.

… welcher Aspekt sie besonders am Thema ihrer Arbeit fasziniert
Besonders fasziniert mich, Pferden neue Dinge beizubringen und ihr Verhalten besser zu verstehen – insbesondere, warum sie auf bestimmte Reize und Hilfen so reagieren, wie sie es tun. Mein Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd immer feiner zu gestalten, sodass die Hilfen möglichst unsichtbar werden. Dafür ist fundiertes Wissen darüber notwendig, wie einzelne Hilfen wirken, wie Pferde darauf reagieren und wie wir Menschen dieses Verhalten richtig einordnen können, auch im Sinne des Tierwohls.

Best of Pferdeforschung 2026: Die Sieger und Prämierten der GWP-Förderpreise

GWP-Förderpreisverleihung 2025: Das sind die 18 Nominierten

 


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2026 - Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd e.V.