GWP-Förderpreis 2026 – Sieger-Bachelorarbeit: Raphaela Kusch über Verhaltensforschung und Vegetationsmonitoring bei Hengsten GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2026 / Neues aus der Pferdeforschung

Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd (GWP) hat 2026 vier Bachelorarbeiten ausgezeichnet und im Deutschen Pferdemuseum Verden die Siegerin und die Prämierten präsentiert. Hier ist die Zusammenfassung der Sieger-Bachelorarbeit von Raphaela Kusch. Die GWP, die Fachjury und die Förderpartner gratulieren herzlich!

„Verhaltensforschung und Vegetationsmonitoring bei Hengsten mittels Direktbeobachtung und Remote Sensing“

Raphaela Kusch (Bachelorarbeit, Berner Fachhochschule, Pferdewissenschaften/Schweiz)

Die vorliegende Pilotstudie untersuchte die Integration von vier adulten Hengsten in einer viermonatigen Weidehaltung. Ziel war es, (1) die sozialen Interaktionen und die Hierarchie der Tiere zu beobachten, (2) ihr Bewegungsverhalten mithilfe von GPS-Sensoren zu erfassen und (3) den Zustand der Grasnarbe durch Drohnenaufnahmen zu quantifizieren.

Die Ergebnisse der ersten Teilstudie zeigen, dass die Interaktionen zwischen den Hengsten im Laufe der Zeit abnahmen. Affiliative Interaktionen dominierten mit insgesamt 860 Zählungen, während agonistische Kontakte stark zurückgingen. Unter den Hengsten zeigte sich ein interindividuelles Verhalten, indem Pferd 3 sehr kontaktfreudig und Pferd 2 eher zurückhaltend war. Eine stabile Rangordnung bildete sich während der Beobachtungszeit nicht, was auf die kleine Gruppengrösse und individuelle Unterschiede zurückgeführt wurde und was darauf hinweist, dass die Hierarchiebildung bei Hengsten längere Zeit beanspruchen kann.

Das GPS-Monitoring der zweiten Teilstudie ergab, dass die Pferde zunächst sehr weite Strecken mit bis zu 44 km/Tag liefen, um die neue Umgebung zu erkunden (mittlerer Höchstwert: 25,96 km, SD: 11,24). Mit der Zeit nahmen die täglichen Laufdistanzen ab, sodass sich die Hengste täglich rund 8 km zurücklegten (8,97 km SD). Bestimmte Bereiche der Weide, wie der Unterstand oder die Heuraufen, wurden besonders intensiv genutzt, während feuchte oder stark abgenutzte Grasflächen gemieden wurden. Ausserdem zeigte sich ein saisonales Muster, wobei im Sommer die Hengste vor allem nachts weideten und im Herbst hingegen gleichmässiger über den Tag verteilt.

Die dritte Teilstudie nutzte Drohnenaufnahmen und k-Means-Clustering zur Analyse der Vegetationsdichte. Hierbei erwies sich, dass sich die Grasflächen zuverlässig in fünf Dichteklassen einteilen lassen. Gleichzeitig wurden auch Optimierungspotentiale der Methode bezüglich z.B. Schattenwurf deutlich.

Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass die Gruppenhaltung von Hengsten unter adäquaten Rahmenbedingungen möglich ist und wichtige Vorteile für das Tierwohl bietet. Gleichzeitig zeigen GPS- und Drohnentechnologien Potenzial, Weidenutzung objektiv zu betrachten und damit nachhaltiges Weidemanagement zu unterstützen.

Über Raphaela Kusch

… ihr persönlicher Bezug zum Pferd
Seit ich als Stadtkind die Pferde für mich entdeckt habe, sind sie eine Faszination für mich. Als ich dann mit acht Jahren endlich das Reiten lernen durfte, öffnete sich für mich — aus einer Familie ohne Bezug zu Pferden — eine neue Welt. Viele Jahre später öffneten sie mir die Tür zur Landwirtschaft.

… was sie bewogen hat, das Thema Pferd auch zu ihrem beruflichen Schwerpunkt zu machen
Ich habe den Studiengang Agronomie mit Vertiefung Pferdewissenschaften erst spät entdeckt — bei der Suche nach einem Plan B. Doch ich wollte ursprünglich immer gerne etwas mit Pferden lernen und entschied mich, meiner Leidenschaft für Pferde zu folgen. Mit Tieren zu arbeiten und draußen in der Natur tätig zu sein, erfüllt mich schon immer besonders. Als ich dann das Agronomiestudium entdeckte, wusste ich, dass dies eindeutig der richtige Weg ist. Glücklicherweise ging Plan A nicht auf. Dieser war, Psychologie oder Wirtschaftspsychologie zu studieren. Etwas ganz anderes und weit entfernt von der Nähe zu Tieren.

… welcher Aspekt sie besonders am Thema ihrer Arbeit fasziniert
Es ist vor allem die Vielschichtigkeit und gleichzeitige Verbindung der drei Ebenen, die mich fasziniert — Von Verhaltensforschung mit der direkten Beobachtung hin zu GPS- und Drohneneinsatz für das Weidemanagement. Ich liebe es, die Perspektive zu wechseln und daher gibt es aus allen drei Ebenen Aspekte, die mich besonders faszinieren. Es fasziniert mich, dass die Freiberger Zuchthengste bereits von Beginn deutlich mehr positive als negative Interaktionen in der Gruppenhaltung sowie eine hohe Synchronität aufwiesen. Darüber hinaus mit GPS die Synchronität und räumliche Verteilung auf der Weide darzustellen, war sehr spannend. Abschliessend auch noch die Weidenutzung aus der Vogelperspektive mit der Drohne darzustellen, war ebenso ein besonders interessanter Teil der Arbeit.

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