Ronja Brüggemann, 3. Platz Bachelor im GWP-Förderpreis 2020. Foto: privat GWP-Förderpreis / GWP-Förderpreis 2020

Ronja Brüggemann (Bachelorarbeit, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen)

Mit dem Turniersport setzte sich Ronja Brüggemann aus Hagen auseinander. Der Titel ihrer Arbeit: „Hinführung einer Konzeptentwicklung eines webbasierten Wettbewerbssystems zur Nachwuchsgewinnung und Bindung von Junioren im Dressursport in Deutschland.“ Sie setzt auf digitale Leistungsüberprüfung mit Hilfe von Videoaufnahmen.

Betrachtet man die rückläufigen pferdesportlichen Vereins- und Mitgliederentwicklungen in Deutschland, ergibt sich daraus eine Handlungsnotwendigkeit. Die Frage, ob ein webbasiertes Wettbewerbskonzept, das insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen soll, dazu beitragen kann, diesem Abwärtstrend entgegenzuwirken, wird im Rahmen der Arbeit ausführlich diskutiert und kann bejaht werden. Da minderjährige Reiter weder finanziell noch organisatorisch unabhängig sind, aber ein hohes Mediennutzungsverhalten aufweisen, eröffnet die digitale Wettkampfaustragung ihnen einen bisher schwer erreichbar wettkampfsportlichen Blickwinkel des Reitsports, der entwicklungstypische Wünsche eines Leistungsvergleichs erfüllt.

Die entwickelte webbasierte Konzeption projiziert allgemeine Grundzüge der Wettkampflehre auf ein breitensportlich ansprechendes Sporteinstiegsmodell. Somit schafft das Konzept eine Brücke zwischen Leistungssport und Breitensport. Den Junioren soll so die Möglichkeit gegeben werden an das leistungssportliche Geschehen heranzutreten.

Dies erfolgt nicht durch die Teilnahme an ortsgebundenen Veranstaltungen, sondern durch die digitale Leistungsüberprüfung durch Videoaufnahmen. Die Einbindung in das Vereinsleben eröffnet ein neues soziales Umfeld, welches die Junioren in ihrer reiterlichen Laufbahn bestärkt. Dem quantitativen Rückgang der Mitgliederentwicklung kann so entgegengewirkt werden. Außerdem sollen die jungen Reiter nicht nur in der praktischen, sondern auch in der theoretischen Reitlehre, sowie in Grundlagen des Umgangs geschult werden. Somit kann auch die Qualität der breitensportlichen Nachwuchsförderung verbessert werden. Es gilt, das digitale Angebot im vorhandenen Spektrum einzubetten und so das reale Vereins- und Verbandsgeschehen im Reitsport positiv zu beeinflussen.

Die Kernpunkte für ein nachhaltig wirksames webbasiertes Wettbewerbskonzept zeichnen sich durch die Zusammenarbeit von Kindern, Eltern, Reitvereinen und der austragenden Institution aus. Es wird aufgezeigt, wie die Potentiale der Digitalisierung genutzt werden können um für eine Zielgruppe mit bisher limitierten Möglichkeiten einen sportlichen Mehrwert zu schaffen.

Kurzbiografie

  • Geboren am 14.05.1997 in Hagen
  • 2015: Abitur in Hagen
  • 2015-2019: Bachelorstudiengang an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen
  • 2013-2017: verschiedene reiterliche und journalistische Praktika , u.a. bei der Zeitschrift Reiter Revue
  • 2019: Tätigkeit als Bereiterin im Dressurausbildungsstall Haase in Lüdenscheid
  • Seit 2019: Masterstudiengang Online-Kommunikation an der Hochschule Anhal

Ronja Brüggemann
… ihr persönlicher Bezug zum Pferd
Der Reitsport ist eine Leidenschaft, die mich schon mein ganzes Leben begleitet. Daran fasziniert mich vor allem das hohe Maß an Selbstreflexion und Fingerspitzengefühl, das man mitbringen muss, denn kein Pferd ist wie das Andere. Es ist ein Sport, in dem man eben nie auslernt – das macht es für mich so einzigartig.

… was sie bewogen hat, das Thema Pferd auch zu ihrem beruflichen Schwerpunkt zu machen
In der heutigen Zeit ist so viel von Work-Life-Balance die Reden, warum also einen Beruf ausüben wo kein Herzblut dranhängt? Aus diesem Grund schätze ich es sehr in einer Branche zuhause zu sein, in der Kollegen und Kunden das Gleiche vor Augen haben: Das Wohl ihrer Pferde.

… welcher Aspekt sie besonders am Thema ihrer Bachelorarbeit fasziniert
Besonders faszinierte mich das Entwicklungspotential, welches sich hinter der Digitalisierung für den Reitsport verbirgt und wie wenig dieses bisher ausgeschöpft wird. Aus diesem Grund kann gerade die digitale Affinität von jüngeren Reitern dazu genutzt werden, die Nachwuchsreiter noch gezielter zu fördern. Daher fand ich es unglaublich spannend eine Brücke zu schaffen, die es Kindern – auch ohne eigenem Pferd oder Transportmöglichkeiten zum Turnier – ermöglicht Einblicke in den organisierten Sport zu erhalten. Ich denke jeder, der sich an seine erste gewonnene Turnierschleife zurückerinnert, weiß wie sehr ihn diese mit Stolz und Ehrgeiz erfüllt hat.


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