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Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Ergebnisse aus der Pferdeforschung weltweit.

Ältere Artikel können Sie im Archiv nachlesen.

 

  

Das Problem einer umweltsicheren Beseitigung von mittels Natriumpentobarbital eingeschläferten Pferden

 

Leidet ein Pferd unter einer unheilbaren Krankheit oder Verletzung, so stellt eine Einschläferung des Tieres oft die einzig ethisch vertretbare Möglichkeit dar. Die gängige Methode in Amerika ist die Verabreichung einer Überdosis Barbiturat oder ein Bolzen- oder Gewehrschuss durch den Kopf des Tieres auf Höhe des Schläfenlappens. Eine unsachgemäße Beseitigung des mit Überdosis an Barbituraten getöteten Tieres kann nun aber zu einem Risiko für Umwelt, Tiere und der menschlicher Gesundheit führen. In Amerika werden die Tierkörper nicht verbrannt, wie in Deutschland üblich. Das Barbiturat wird im Verlaufe des Zersetzungsprozesses im Boden frei gesetzt und kann so bei Tieren, die sich von bestehenden Überresten ernähren, eine sekundäre Vergiftung verursachen. Daher ist es in der Praxis wichtig, die Kompostierung von Kadavern aus der Nutztierhaltung und Viehzucht zu managen.

In einer Studie wurde kürzlich untersucht, in wie weit das Natriumpentobarbital aus Pferdekadavern in einem Komposthaufen innerhalb eines Zeitraumes von 367 Tagen freigesetzt wird. Dazu wurden sechs Kompostbehältnisse auf einem Weideland mit einer Füllhöhe von
0,46 m aus Hartholzspänen und Grünkompost mit einer Gesamtfeuchtigkeit von
50 % errichtet. Sechs erkrankte Pferde wurden hälftig einer Kontroll- oder Testgruppe zugeordnet und verwogen. Die Testtiere bekamen eine Dosis von 60 mL Natriumpentobarbital und die Kontrollpferde 15 mL Ketamin-Hydrochlorid injiziert. Die Kadaver wurden jeweils mittig in den Kompostbehältern platziert und mit einer Schichtdicke von 0,6 m Holz überdeckt. Kompostproben wurden an Tag 7,14, 28, 56, 84, 129, 233 und 367 sowie Bodenproben vor Versuchsbeginn und am letzten Tag genommen.

Noch nach 367 Tagen konnte Barbiturat in den Kompostbehältnissen nachgewiesen werden. Zudem wird ein Durchsickern des Wirkstoffes durch die Komposteinlage anhand eines Rückstandes von 0,2 mg/kg im Boden (Trockengewicht) indiziert. Die Verwesung der Weichteilgewebe aller Pferde fand statt, die verabreichten Barbiturate sind jedoch persistent. Es ist dringend erforderlich Strategien zu entwickeln und durchzusetzen, die den Eintrag von Barbituraten in die Umwelt verhindern.

 

Payne, J. und andere: Quantification of sodium pentobarbital residues from equine mortality compost piles. J Anim Sci, 2015

 

Zusammengefasst von Julia Winter

 

 

Veränderungen des Fellwachstums und Fellwechsels von in einem Schutzgebiet lebenden Robustpferden

 

Der Fellwechsel spielt für Säugetiere eine wichtige Funktion in der Thermoregulation, besonders über das Jahr verteilt entsprechend der unterschiedlichen Bedingungen der Jahreszeiten, und stellt zugleich ein Anpassungskriterium der Urpferde an die lokalen Gegebenheiten dar. So schützt ein dichtes, langes Winterfell im Freien lebende Pferde vor Kälte, Wind, Schnee und Regen. Im Sommer kann hingegen die Körperwärme mittels des kurzen Fellhaares reguliert werden. Beim Fellwechsel wird das alte Deckhaar gegen Neues ausgetauscht: Ein höchst signifikanter Faktor ist dabei die Umgebungstemperatur - folglich sind Unterschiede zwischen auf der Weide und in Ställen gehaltenen Tieren festzumachen. Aber auch die jeweilige Rasse, das Alter, das Geschlecht, der Gesundheitszustand, eine Trächtigkeit oder ein sonstiger physiologischer Zustand agieren als Einflussfaktoren.

Das Forscherteam um Stachurska beschäftigte sich jüngst mit dem Wachstum des bläulich-falbig gefärbten Fells von polnischen Konik-Robustpferden. In einer Studie beobachteten sie ein Jahr lang fünf gesunde, ausgewachsene Stuten im Alter von 6 bis 29 Jahren im Ostoja Reservat im Roztacze National Park im Südosten Polens. Alle zwei Wochen wurde ein Foto von beiden Körperhälften der Pferde aufgenommen und mittels der Software MultiScanBase ausgewertet. Der Körper der Tiere wurde fernerhin fiktiv in sechs Segmente eingeteilt: den Schulterbereich, die Rückenpartie, den Brustkorb, die Lenden, den Bauch und das Hinterteil. Als Ergebnis machte das Forscherteam fest, dass bei Konik-Pferden der Wechsel zum Kurzhaar in den Monaten April und Mai erfolgt, bedingt durch eine allmähliche Temperaturzunahme, wohingegen sich ein erneuter Fellwechsel im September und Oktober zum warmen Winterfell zuträgt. Im Zeitraum von November bis April überwiegt dann das lange und dichte Deckhaar. Dabei findet das Fellwachstum je nach Körperregion unterschiedlich stark statt. Demgemäß dauerte das Abwerfen als auch das neue Wachstum des Winterfells an den Partien Schulter, Rücken und Lenden länger als etwa am Bauch und Brustkorb sowie den Hinterbacken. Dies kann durch eine größere Beeinträchtigung der oberen Körperregionen durch Regen und Schnee begründet werden. Dennoch muss noch viel Forschungsaufwand in die Ergründung des Fellwachstums und Fellwechsels unterschiedlichster Pferderassen investiert werden.

  

Stachurska, A. und andere: Changes of coat cover in primitive horses living on a reserve. J. Anim. Sci, 2015. doi: 10.2527/jas2014-8668

 

Zusammengefasst von Julia Winter

 

 

Auftreten und Charakterisierung der Spezies Cryptosporidium und Giardia in Fohlen innerhalb Europas

 

 Von einzelligen Parasiten, wie es etwa Cryptosporidium spp. und Giardia spp. sind, ist bereits bekannt, dass sie sich einer weiten Spanne an Wirtstieren, Pferden eingeschlossen, bedienen. Insbesondere für die Spezies Cryptosporidium wird je nach geografischer Region eine Infektionsrate zwischen 0,75 bis 25 % und bei Giardia duodenalis von 0,5-35% angenommen. Jene Keime werden des Öfteren für Durchfälle und vermindertes Wachstum neugeborener Fohlen verantwortlich gemacht. Sie werden beispielsweise über direkten Kontakt oder durch kontaminiertes Wasser, sowohl innerhalb eines Bestandes als auch zu anderen Säugetieren übertragen.

Deswegen untersuchte das Forscherteam um Kostopoulou Kotproben von
1 Woche bis zu 6 Monate alten Fohlen aus Belgien (134), den Niederlanden (44), Deutschland (30) und Griechenland (190). Die Fäkalproben aus Deutschland und den Niederlanden waren Cryptosporidium negativ, in Belgien zu 4,5 % und in Griechenland zu 1,1 % positiv mit 100 bis 2450 Eiern pro Gramm Kot nachgewiesen. Hingegen wurden in Belgien 14,2 %, in den Niederlanden 11,4 %, in Deutschland 10,0 % und in Griechenland 11,6 % positive Giardia-Proben (zu meist des Typs AI und/oder BIV, geringfügig Typ A, AII, B sowie E) detektiert, mit einer Zystenzahl von 50 bis 4.000.000 Stück pro Gramm Kot. Bei 4 Fohlen im Alter von unter 30 Tagen kam es außerdem zu einer Co-Infektion von Giardia und Cryptosporidium. Zudem fanden die Forscher eine signifikant höhere Ausscheidungsrate von Giardia in jüngeren Tieren, jedoch scheint keine direkte Beziehung zwischen einer Infektion und einem Auftreten von Durchfall zu bestehen. Schließlich identifizierte die Forschergruppe den pferdespezifischen Typ von Cryptosporidium, welches darauf hindeutet, dass nur ein geringes Risiko für eine Übertragung zwischen Pferd und Mensch besteht. Eine geringere Infektionsrate im Vergleich zu Rindern innerhalb einer Pferdeherde ist durch eine weniger intensive Besatzdichte begründet.

 

Kostopoulou, D. und andere: The occurrence and genetic characterization of Cryptosporidium and Giardia species in foals in Belgium, The Netherlands, Germany and Greece (2015), Veterinary Parasitology 211 (3–4): 170-174. http://dx.doi.org/10.1016/j.vetpar.2015.04.018.

 

 

Zusammengefasst von Julia Winter

 

 

 

Die Stuten-Fohlen Bindung sichert das Überleben – neue Therapie gegen Verhaltensanomalien der Stute.

 

In den meisten Fällen entwickelt sich eine normale Bindung zwischen Stute und Fohlen direkt nach der Geburt. Schlagen und Beißen kann dabei durchaus zum normalen Verhalten zählen und nur in seltenen Fällen spiegelt es abnormales Verhalten wieder, wie Ignoranz des Fohlens, Angst vor den Fohlen, Vermeidung des Säugens, übermäßig beschützend oder starkes Angriffsverhalten.

Auf der einen Seite bedeuten die Angriffe, Stöße und Erdrücken für das Fohlen Lebensgefahr, auf der anderen Seite gehen Fohlen an Nahrungsentzug und Antikörpermangel zu Grunde: Das Stutenkolostrum liefert dem Fohlen nach der Geburt Nährstoffe, Flüssigkeit und Antikörper zugleich – In einem jetzt beschriebenen Fall von abnormaler Stuten-Fohlen Bindung war das Fohlen nach 4 Tagen trotz des Flaschenfütterungsversuches lebensbedrohlich geschwächt (Unterzuckert, dehydriert und mit geringem Antikörpergehalt im Blut). Mit konventionellen Methoden, wie Aufsicht, Anbinden, Sedation und Fesseln, war die Stute nicht zum Zulassen des Säugens zu bewegen. In der Klinik wurde zunächst das Fohlen aufgepäppelt und die Stute mit einem Medikament, das routinemäßig zur Behandlung von Angstzuständen beim Menschen eingesetzt wird, therapiert. Unter dieser Therapie ließ die Stute das Fohlen ohne Anzeichen von aggressivem Verhalten saugen. Binnen 3 Tagen konnte die Dosis reduziert und schon 14 Tage nach der ersten Behandlung das Medikament ganz abgesetzt werden.

Laut des Fallberichts kann das Medikament in scheinbar aussichtslosen Fällen innerhalb der seltenen gestörten Stuten-Fohlen Bindungen eventuell helfen, jedoch muss der Einsatz im Wissen um die Ausbreitung des Medikaments bei Menschen als Anti-Stress-Droge, die Frage der Zulassung dieses Medikaments in Deutschland beim Pferd und eventuellen dopingrelevanten Missbrauch bei ängstlichen Pferden sehr kritisch bewertet werden.

 

Wong et al.: Use of Alprazolam to Facilitate Mare-Foal Bonding in an Aggressive Postparturient Mare. J Vet Intern Med. 2015.

 

 

 

Erstmilch von Kühen gefüttert an Rennpferde erhöht deren Erfolg

 

Kuhkolostrum enthält wichtige Nährstoffe, Energie, Wachstumsfaktoren und Antikörper und eine hinreichende Aufnahme sorgt für einen guten Start des Neugeborenen ins Leben. Zunehmend mehr werden die positiven Eigenschaften auch für andere Spezies oder Altersgruppen entdeckt: Kolostrum Präparate findet man in der Kosmetikbranche, Homöopathie oder Kleintierernährung.

Auch in der Pferdefütterung gibt es zunehmend mehr Kolostrum Produkte. In einer Studie wurde Rennpferden täglich 100g Kuhkolostrum verabreicht. Nach der Fütterung über mindestens eine Woche wurden sie in drei Rennen gestartet und ihre Leistung wurde mit ihrer eigenen vor bzw. nach der Kolostrum Fütterung ohne diese (Kontrolle) verglichen. Es machte keinen Unterschied, ob die Kolostrum Fütterung vor oder nach der Kontrollzeit stattfand. Während der Kolostrum Fütterung waren die Gewinnsummen höher, der Geschwindigkeitsindex besser und die Erholung nach einem Rennen setzte 7 Tage früher ein. In der Kontrollgruppe traten 2 Fälle von Atemwegserkrankungen auf, hingegen keine während der Kolostrum Fütterung. Kuhkolostrum Fütterung an Rennpferde optimiert laut dieser aktuellen Studie die Leistung. Bisher gibt es hauptsächlich Spekulationen zu den Wirkstoffen und den möglichen Mechanismen.

 

Fenger, C.K. und andere: Bovine colostrum supplementation optimizes earnings, performance and recovery in racing Thoroughbreds. Comp Exercise Physiol., 2014.

 

 

 

Ist die Resistenz gegenüber Fadenwürmern erblich?

 

Der Befall mit Fadenwürmern kann zu erheblichen Wachstumseinbrüchen bei jungen Pferden führen und erhöht lebenslang das Risiko von anderen Krankheiten. Regelmäßige Wurmkuren können solche Extreme verhindern, jedoch führt die dauerhafte Anwendung oder Anwendungsfehler bei diesen vorbeugenden Maßnahmen dazu, dass sich zunehmend Resistenzen entwickeln.

Aus diesem Grund wird das Auftreten des Wurmbefalls wissenschaftlich untersucht und nach Strategien gesucht, den Wurmbefall auf anderen Wegen zu reduzieren. Über die Hälfte aller Pferde scheiden dauerhaft geringe Mengen Wurmeier aus und sogar noch mindestens ein Drittel mehr als 200 Eier pro g Kot. Dabei haben 2-3 Jährige Pferde besonders hohe Mengen an Wurmeiern im Kot, aber 9 Jahre und ältere Pferde eher weniger als der Durchschnitt. Es wird vermutet, dass das Geschlecht nur dann eine Rolle spielt, wenn das Abwehrsystem von Stuten während der Trächtigkeit generell geschwächt ist. Jahreszeiten und verschiedene Umweltbedingungen beeinflussen die Ausscheidung sehr stark. Die individuelle Fähigkeit eines erwachsenen Pferdes sich gegen den Wurmbefall zur Wehr zu setzen, ist zu einem bestimmten Anteil genetisch festgelegt und somit erblich bedingt (Heritabilität h2 = 0,21). Dieses Merkmal jedoch züchterisch zu berücksichtigen, wäre ein langwieriger Prozess.

Eine Alternative zu der routinemäßigen Anwendung von Wurmkuren ist die regelmäßige Analyse des Kots auf Parasiten und die gezielte Behandlung im Bedarfsfalle. Ein flächendeckender Umstieg auf dieses Verfahren würde zumindest die Daten liefern, die zur züchterischen Berücksichtigung notwendig wären. Der Vergleich dieser Strategie mit der konventionellen vorbeugenden Wurmkur und die genauere Untersuchung anderer Einflussfaktoren, wie Jahreszeit und Umwelt, wird Forscher wohl auch in Zukunft beschäftigen.

 

Kornas, S. und andere: Estimation of genetic parameters for resistance to gastro-intestinal nematodes in pure blood Arabian horses. Int. J. Parasitol. 2015

 

 Zusammengefasst von Julia Steinhoff-Wagner

 

 

 

Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd e.V.